Gefallene Rohölpreise begrenzen den Anstieg beim Rapspreis
Fachartikel: Sonstiges, FinanzenAutor: Kommentar von Heribert Breker, LWK NRW, KST Herford/Bielefeld- Stand 14.06.10
Die Rapspreise an der Pariser Börse positionieren sich mit zäher Hartnäckigkeit am oberen Limit der Konkurrenzmöglichkeiten. Dabei spielen unterschiedliche Rohöl- und Eurokurse nur eine zweite Rolle. Ursache für das Festhalten an hohen Preisen ist die unzureichende Versorgungssituation in Europa. In der EU-27 fehlen rd. 3 Mio. t Raps, deren Import aus den traditionellen Exportländern nicht gesichert ist. Weißrußland hat bereits eine Exportsteuer auf Raps erhoben, um zu verhindern, dass die durch hohe Auswinterungsschäden knappe Ware ausgeführt wird. Aus gleichem Grunde werden schwache Ernten auch in Russland und der Ukraine erwartet, so dass der Export ebenfalls gering ausfallen wird. Die australischen Exportmöglichkeiten halten sich in Grenzen. Die EU hat Schwierigkeiten zugelassene GVO-Rapssorten aus Drittländern zu importieren. Ob alle Ölmühlen ihren Produktionsumfang beibehalten werden, wird fraglich.
Daher ist zu erwarten, dass bis zur Ernte seitens der Nachfrage alles dran gesetzt wird, die vor und während der Ernte noch mobilen Rapsmengen zu sichern. Wenn die Ware erst im festen Lager steckt, bedarf es höherer Preisanreize, um ihre Mobilität zu aktivieren. Bis zur Anschlussversorgung im Frühjahr dürfte zwischenzeitlich Ruhe eintreten. Die Juni 2010 Kurse notieren zurzeit fast genau so hoch wie die Febr.2011-Terminwerte. Wie die Rapspreise im Frühjahr tatsächlich ausfallen werden, ist nur schwer kalkulierbar, weil zu viele nur schwer einschätzbare Einflussfaktoren wirksam sind. Neben den zukünftigen Angebots-Nachfragemengen sind auch der Rohöl- und der Eurokurs entscheidende Faktoren. Dennoch wachsen die Preise nicht in den Himmel, denn für den Raps kann man nicht mehr bezahlen als man aus dem Ölverkauf in Konkurrenz zu anderen Ölherkünften und dem Rapsschrotabsatz in Konkurrenz zum Sojaschrot herausbekommt.
Fazit:
Rapsnotierungen erreichen zurzeit Kurse, die über mehrjährige Durchschnittswerte hinausragen. Angesichts drohender Preisrückgänge beim konkurrierenden Marktführer Sojabohne sind weitere Teilabsicherungen ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

