Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung

Beratergemeinschaft Hildesheimer Land


Mit der Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung sind seit dem 08.09.2021 sowohl Einschränkungen  beim Glyphosateinsatz  als auch bei Pflanzenschutzmittelanwendungen  in Naturschutzgebieten, FFH-Gebieten und an Gewässern wirksam. Diese Änderungen sind Teil des Aktionsprogramms Insektenschutzes der Bundesregierung.

1. Anwendung von Glyphosat auf Acker- und Grünlandflächen:

Grundsätzliche Verbote:

-     Anwendungen in Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten und Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten, egal in welcher Kultur
-         Spätanwendungen vor der Ernte (= Sikkation), egal in welcher Kultur
-     Anwendungen  in  Naturschutzgebieten,  Nationalparks,  nationalen  Naturmonumenten, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen, egal in welcher Kultur
-     Das Anwendungsverbot für Glyphosat besteht bereits seit vielen Jahren. Hierfür dürfen nun keine Ausnahmegenehmigungen mehr erteilt werden

Das vollständige Anwendungsverbot für Glyphosat gilt ab 2024.

Anwendung von Glyphosat auf Ackerflächen:

Vor der Anwendung muss geprüft werden, ob alternativ vorbeugende Maßnahmen wie Frucht- folge, Wahl des Aussaatzeitpunktes, mechanische Maßnahmen oder das Anlegen einer Pflug- furche durchgeführt werden können. Eine Anwendung ist nur dann erlaubt, wenn diese Maß- nahmen nicht möglich oder zumutbar sind. Die Prüfung vor der Anwendung sollte ausreichend dokumentiert werden.

Vorsaatbehandlung:

Anwendungen nur zulässig:
-          zur Bekämpfung perennierender Unkräuter, wie z.B. Ackerkratzdistel, Ampfer, Landwasserknöterich, Quecke usw. auf den betroffenen Teilflächen
-          Flächen im Direkt- oder Mulchsaatverfahren sind von dieser Einschränkung nicht betroffen
-     zur Unkrautbekämpfung einschließlich der Beseitigung von Mulch- und Ausfallkulturen auf Ackerflächen, die einer CC-Erosionsgefährdungsklasse zugeordnet werden (CCWasser1, CCWasser2 oder CCWind gemäß Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung)

Stoppelbehandlung:

Anwendungen nur zulässig:
-          zur Bekämpfung perennierender Unkräuter (s. o.) auf den betroffenen Teilflächen. Dies betrifft auch Flächen im Direkt- oder Mulchsaatverfahren
-     zur Unkrautbekämpfung einschließlich der Beseitigung von Mulch- und Ausfallkulturen auf Ackerflächen, die einer CC-Erosionsgefährdungsklasse zugeordnet werden (CCWasser1, CCWasser2 oder CCWind gemäß Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung)


Anwendung von Glyphosat auf Grünland:

Einsatz auf betroffenen Teilflächen:
-     nur zur Erneuerung des Grünlandes, wenn aufgrund von starker Verunkrautung eine wirt- schaftliche Nutzung des Grünlandes nicht mehr möglich ist oder die Futternutzung wegen eines Risikos für die Tiergesundheit (z.B. flächendeckender Besatz mit Jakobskreuzkraut) nicht mehr möglich ist


Flächige Anwendung:
-          zur Vorbereitung einer Neueinsaat auf Flächen, die einer CC-Erosionsgefährdungsklasse zugeordnet sind (CCWasser1, CCWasser2 oder CCWind gemäß Agrarzahlungen- Verpflichtungenverordnung) oder auf denen eine wendende Bodenbearbeitung auf Grund anderer Vorschriften nicht erlaubt ist
-     in Verbindung mit den beschriebenen Einschränkungen bzw. noch vorhandenen Anwen- dungsmöglichkeiten  empfiehlt sich eine eigene Dokumentation z.B. über die Entschei- dungsgründe für einen Einsatz oder die vorhandene Verunkrautung


2. Anwendung von Pflanzenschutzmitteln  in Naturschutz- und FFH-Gebieten

Ackerflächen in Naturschutzgebieten, Nationalparks, Nationalen Naturmonumenten und gesetzlich geschützten Biotopen:

-         Verbot von Herbiziden
-         Verbot von Insektiziden mit der Bienenschutzauflage B1, B2 oder B3
-         Verbot von Insektiziden mit der Kennzeichnungsauflage NN 410

Ausnahmemöglichkeiten:
Die LWK Niedersachsen kann Ausnahmen von den genannten Verboten genehmigen:
-         zum Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt (z.B. beim Auftreten invasiver Arten, wie dem Riesenbärenklau) oder
-         zur Abwendung erheblicher landwirtschaftlicher oder sonstiger wirtschaftlicher Schäden (gilt nicht für Glyphosat!)

Falls in dem betreffenden Schutzgebiet darüberhinausgehende Regelungen wie z.B. ein generelles Anwendungsverbot für Pflanzenschutzmittel gelten, ist eine Genehmigung nicht möglich.


Ackerflächen in FFH-Gebieten (= Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung)
Sofern Ackerflächen in FFH-Gebieten nicht gleichzeitig in Naturschutzgebieten usw. liegen (siehe oben), sind diese Ackerflächen von dem obenstehenden Verbot nicht betroffen.


Dauergrünland
Hier gilt die Niedersächsische Regelung auf Grundlage des § 25 a, Abs.1, des Niedersächsi- schen Ausführungsgesetztes zum Bundesnaturschutzgesetz (NAGBNatSchG):
In Naturschutzgebieten und in Landschaftsschutzgebieten, soweit sie Natura 2000-Gebiete sind (=FFH- und Vogelschutzgebiete), ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Dauergrünland grundsätzlich verboten.
Soweit  der  Schutzzweck   des  Gebietes   dem  nicht  entgegensteht   (siehe  Schutzgebietsverordnung), sind Ausnahmen davon möglich:
-          Ausnahme 1: für Pflanzenschutzmittel,  die eine Zulassung für den ökologischen Anbau haben
-          Ausnahme 2: wenn die in diesem Rahmen vereinbarten Schadensschwellen (Webcode: 01038589)  überschritten sind und eine zumutbare praxistaugliche Alternative nicht besteht.


Eine beabsichtige Anwendung in Naturschutzgebieten ist der zuständigen unteren Naturschutzbehörde mindestens 10 Arbeitstage vor ihrer Durchführung anzuzeigen. Innerhalb dieser Frist kann die Naturschutzbehörde die Anwendung untersagen oder besonders  regeln. Das heißt, erst nach Ablauf dieser Frist kann die Anwendung in Naturschutzgebieten erfolgen. Die Anwendung muss sowohl in Naturschutzgebieten und in Landschaftsschutzgebieten, die auch Natura 2000-Gebiete sind, nachvollziehbar dokumentiert und auf Verlangen vorgezeigt werden. Hinweis: Wechselgrünland gehört nicht in die Kategorie Dauergrünland.
Dauergrünland ist entsprechend NAGBNatSchG § 2a (4) definiert als eine durch Einsaat oder auf natürliche Weise zum Anbau von Gras oder anderen Grünfutterpflanzen genutzte Fläche, die seit mindestens fünf Jahren nicht Bestandteil der Fruchtfolge des landwirtschaftlichen Betriebes ist und seit mindestens fünf Jahren nicht umgepflügt wurde (Dauergrünland).
(Quelle: LWK Niedersachsen)




Einsicht Gebietskulissen und Einstufung der CC-Erosionsklassen

-     Die verschiedenen Gebietskulissen (Wasserschutz-, Naturschutz-, FFH-Gebiete) können im Kartenserver „Umweltkarten Niedersachsen“ über die Suchzeile eingesehen werden (z.B. Wasserschutzgebiete):

https://www.umweltkarten-niedersachsen.de/


-     Die Einstufung der CC-Erosionsklassen der Flächen können im NIBIS-Kartenserver einge- sehen    werden.     Dazu    bitte    ankreuzen:         Themenkarten         Landwirtschaft
 Erosion  Einstufung der Feldblöcke  CC-Wasser:

https://nibis.lbeg.de/cardomap3/





22.09.2021:
Anmerkung der Redaktion: Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort (siehe Baum oben - "Beratung vor Ort").