Änderung Pflanzenschutzanwendungsverordnung

LUB Zeven e. V.

 

Mit der Änderung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung werden in Kürze sowohl Einschränkungen beim Glyphosateinsatz als auch bei  Pflanzenschutzmittelanwendungen in Naturschutz- und Wasserschutzgebieten und an Gewässern wirksam.

Mit der Veröffentlichung und dem übergangslosen Inkrafttreten dieser Änderungen gelten dann folgende Vorgaben:

Gebiete mit Bedeutung für den Naturschutz
• Die Anwendung von Herbiziden und Insektiziden in Gebieten mit Bedeutung für den Naturschutz (§ 4) wie z.B. Naturschutzgebieten, Nationalparks, Nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen und in FFH-Gebieten verboten. Ackerflächen in FFH Gebieten, die sich nicht im Naturschutzgebieten befinden, sind von der Regelung ausgenommen.

Glyphosat
• Durch den §3 ergibt sich ein Anwendungsverbot für Glyphosat in Wasserschutzgebieten.

• In allen anderen Gebieten ist eine Anwendung von Glyphosat nur noch zulässig, wenn im jeweiligen Einzelfall vorbeugende Maßnahmen wie Fruchtfolge, Wahl des Aussaatzeitpunktes oder mechanische Maßnahmen nicht möglich oder zumutbar sind.  

• Eine flächige Behandlung von Grünland ist nur zur Erneuerung des Grünlandes zulässig, wenn aufgrund von starker Verunkrautung eine wirtschaftliche Nutzung des Grünlandes ansonsten nicht möglich wäre. Außerdem ist ein Einsatz mit der Beschränkung auf Teilflächen dann möglich, wenn Unkräuter bekämpft werden sollen, die ansonsten für Weidetiere schädlich wären (z.B. Jakobskreuzkraut). Eine Anwendung auf Grünland ist weiterhin möglich zur Vorbereitung einer Neueinsaat auf Flächen, die einer CC-Erosionsgefährdungsklasse zugeordnet sind oder auf denen eine wendende Bodenbearbeitung auf Grund anderer Vorschriften nicht erlaubt ist.

• Eine Spätanwendung vor der Ernte (Sikkation, Unkrautbekämpfung) ist nicht mehr zulässig.

• Als verbindliches Ausstiegsdatum für Glyphosat wird in der Verordnung der 01.01.2024 festgelegt (vollständiges Anwendungsverbot).

Gewässer

• Nach § 4a dürfen innerhalb eines Abstandes von 10 m zu Gewässern keine PSM ausgebracht werden (Ausnahme kleine Gewässer mit wasserwirtschaftlicher Bedeutung).
Dieser Abstand reduziert sich bei einer geschlossenen und ganzjährig begrünten Pflanzendecke auf 5m.


• In Niedersachsen gelten anstelle dieser Regelung das Niedersächsische Wassergesetz (§ 58 Abs. 1) mit folgenden Regelungen:
o Seit 01.07.2021
Gewässer 1. Ordnung keine Anwendung von PSM im Abstand von 10 m
o Ab 01.07.2022:
Gewässer 2. Ordnung, 5m
Gewässer 3. Ordnung, 3m
Mögliche Ausnahmeregelungen sind angedacht und werden zurzeit verhandelt. Details finden Sie auf der Homepage der LWK Niedersachsen unter dem Webcode 01039569.

02.09.2021:
Anmerkung der Redaktion: Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort (siehe Baum oben - "Beratung vor Ort").

 

Ergänzung LU Harburg 09.09.2021:

 

Glyphosat- Herbizid- Insektizidanwendung mit Konsequenzen für Land- und Forstwirtschaft

In Folge der übergangslos verhängten neuen Beschränkungen des Pflanzenschutzes insbesondere in Wasserschutz- und Naturschutzgebieten sind eine große Anzahl von Betrieben mit einem erheblichen Flächenumfang in Niedersachsen betroffen. Für mehrere hunderttausend Hektar Nutzfläche in Trinkwasserschutzgebieten entfällt die Möglichkeit der Verwendung von Glyphosat. Für ca. 8.000 Hektar Ackerland, das in Naturschutzgebieten gelegen ist, scheidet die Möglichkeit der chemischen Unkrautregulierung als ökonomisch unverzichtbare Maßnahme des konventionellen Pflanzenbaus vollständig aus, sofern vom Pflanzenschutzamt keine Ausnahmegenehmigungen erteilt werden.
Verstöße gegen sämtliche neue Vorschriften sind mit Prämienkürzungen und ggf. empfindlichen Bußgeldern bis zu 50.000 Euro bedroht.