Blütenbehandlung in Winterraps

LB Peine e. V., LB Schaumburg e. V.

 

Landberatung Peine e. V.

Mit beginnendem Blütenfall stellt sich die Frage, ob eine Behandlung gegen Weißstängeligkeit (Sklerotinia) erforderlich ist. Der Pilz überdauert durch Sklerotien, auf denen dann Apothezien wachsen. Diese bilden zu Beginn der Rapsblüte Sporen. Die Infektion erfolgt in den Verzeigungen des Stängels, wo die Sporen auf dem abgestorbenem Gewebe der abgefallenen Blütenblätter keimen. Entscheidend für eine erfolgreiche Infektion ist Feuchtigkeit in den oberen 5 cm des Bodens zur Sporenbildung sowie ausreichende Luftfeuchtigkeit in der Phase des Blütenfalls. Die Sporenkeimung erfordert Blattnässephasen von 16-24 Stunden. Um die Pflanzen zu infizieren, sind Luftfeuchtigkeiten von > 84 % erforderlich.

Eine Infektion ist während der gesamten Blühphase möglich. In ISIP ist unter „Entscheidungshilfen“ das Modul Skleropro zugänglich. Nach Eingabe von Standort- und Schlagdaten wird die Infektions- wahrscheinlichkeit errechnet und eine Empfehlung für oder gegen eine Blütenbehandlung gegeben. In den letzten 3 trockenen Jahren war diese nicht erforderlich bzw. nicht kostendeckend, da Mittel- Durchfahrt- und Ausbringkosten i.H.v. 50 - 100 €/ha entstehen.

Mit Beginn der Blüte ist zu überprüfen, ob Kohlschotenrüssler (KSR) bzw. Kohlschotenmücken (KSM) auftreten. Der KSR besiedelt die Blüten und ist dort leicht zu erkennen. Er lässt sich bei Erschütterungen zu Boden fallen, deshalb sollte man die Pflanze bei der Bonitur nicht berühren. Er bohrt die Schoten an und  legt  seine  Eier  hinein,  die  Larve  frisst  an  jungen  Rapskörnern.  Die  Schadschwelle  beträgt  1-2 Käfer/Pflanze.

Größeren Schaden verursacht die Kohlschotenmücke, sie ist aufgrund ihrer geringen Größe aber schwer zu erkennen. Die Population entwickelt sich aus Vorjahresrapsflächen. Die Mücke kann aus eigener Kraft nur Entfernungen bis 500 m zurücklegen, sodass mit einem Massenauftreten nur zu rechen ist, wenn  in unmittelbarer Umgebung des Schlages im Vorjahr Raps gestanden hat. Die Schadschwelle beträgt 1 Mücke auf 3-4 Pflanzen.

Sollte eine Behandlung durchgeführt werden, ist diese in die Abendstunden zu verlegen, um die Bruchverluste zu verringern. Wird ein Insektizid zugemischt, sollte die Ausbringung aus Rücksichtnahme auf Bienen und andere Bestäuberinsekten nach Beendigung des täglichen Bienenfluges erfolgen.

Landberatung Schaumburg e. V.

Die angesagten kühleren Temperaturen und die häufig beginnende Blüte werden wahrscheinlich keinen Pflanzenschutzeinsatz vor der Blüte mehr erforderlich machen. Der Blick richtet sich nun auf die Blütenspritzung:

Die Erfahrung zeigt, dass auch in Trockenphasen mit hohen Temperaturen über 20°C morgendlicher Tau ausreichen kann, um die Bestände mit Sklerotinia zu infizieren. Daher wird eine Blütenspritzung grundsätzlich als ertragsabsichernde Abschlussbehandlung empfohlen. Allerdings haben wir in schwachen Rapsbeständen mit schlechtem Schotenansatz und bei zu dem langer trockener Witterung zur Blüte in den letzten beiden Jahren teilweise schlagbezogen aus Kostengründen auch von einer Blütenspritzung abgeraten.

Der optimale Anwendungstermin ist die Vollblüte, wenn 50-60% der oberen 3 Blütenstände aufgeblüht und bereits die ersten Blütenblätter abgefallen sind. Abends ist der Raps elastischer und die Durchfahrtverluste sind geringer. Daher wird grundsätzlich auch bei tagsüber zugelassenen Tankmischungen (B4) die Spritzung in den Abendstunden empfohlen. Damit wird auch jeglichen Diskussionen um höchstmöglichen Bienenschutz vorgebeugt. AHL-Zusätze stehen auch aus Bienenschutzgründen in Kritik und werden daher nicht mehr empfohlen. Bei den modernen gut formulierten Fungiziden ist der „Klebeeffekt“ des AHL-Zusatzes auch nicht mehr erforderlich. Auch von Bor-Zusätzen sind in der Blüte keine nennenswerten Effekte mehr zu erwarten.

Fahrgeschwindigkeiten von 4 bis 6 km/h reduzieren die Pflanzenschäden zusätzlich. Zur besseren Benetzung sollte mindestens mit 300 l/ha Spritzflüssigkeit gefahren werden.

(Auszüge aus den Rundschreiben)


22.04.2021:
Anmerkung der Redaktion: Bei weiteren Fragen zu Mittelwahl und-anwendung wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort (siehe Baum oben - "Beratung vor Ort").