Blütenspritzung im Winterraps

Landberatung Schaumburg e.V.

Während die Mehrzahl der Rapsbestände in den letzten Tagen zunehmend in die Blüte gekommen sind, fallen einige Bestände von weitem mit einem äußerst zögerlichen Blühbeginn auf. Bei näherer Betrachtung ist in diesen Rapsbeständen ein teilweiser massiver Knospenabwurf besonders an den drei oberen Knospenständen der Pflanzen festzustellen. Das Problem scheint sich über mehrere
Bundesländer zu erstrecken und wird als physiologische Blütenwelke bezeichnet. Aktuell wird über die Ursachen der diesjährig besonders starken Ausprägung der Blütenwelke diskutiert. Sicherlich wird am Ende die Summe der negativen Effekte den Ausschlag für die schlagspezifische Ausprägung dieses Phänomens gegeben haben. Einigkeit besteht darüber, dass der Raps witterungsbedingt ohnehin
bereits seit der Aussaat mit belastenden Bedingungen wie ständig wassergesättigte Böden, schlechten Luftaustausch und in Folge dessen auch mit geringer (Fein)-Wurzelbildung klarkommen mußte. Dann folgte nach einer ersten wärmeren Phase mit Wachstum im März noch einmal eine Frostphase mit Temperaturen um -10 °C verbunden mit einem eisigen Ostwind, was möglicherweise gerade den zu dem Zeitpunkt gut entwickelten Beständen geschadet haben könnte. Schließlich haben die sehr hohen Temperaturen in sehr kurzer Zeit zu einem enormen Wachstum geführt. Mit dem vermeintlich schwachen Wurzelsystem könnte auch die für das enorme Wachstum erforderliche Nährstoffversorgung nur unvollständig gelungen sein.

Jeder ist aufgerufen seine Rapsbestände in den nächsten Tagen zu kontrollieren. In stark geschädigten und schwachen Rapsbeständen mit schlechter Verzweigung und sehr unzureichender Seitenknospenbildung wird in Einzelfällen auch über einen Umbruch nachzudenken sein. Bei den aktuellen Feldbesichtigungen wurde diese Entscheidung häufig noch um eine Woche vertagt, weil die weitere Entwicklung der Seitenknospen noch abgewartet werden soll.

Wenn die Entscheidung gefallen ist, die Bestände weiterzuführen, muss jede Schote geschützt werden, so dass auch in diesen Beständen eine Vollblütenspritzung mit Insektizid sinnvoll erscheint. Bei feucht-warmer Witterung finden sowohl Schotenschädlinge als auch Sklerotinia gute Entwicklungsbedingungen. Da sowohl die insektizide als auch die fungizide Wirkung nur eine begrenzte Wirkungsdauer haben, sollte aufgrund der verzettelten Blüte in geschädigten Beständen nicht zu früh behandelt werden. Der Ertragsbeitrag der früh blühenden Hauptknospen wird in den geschädigten Beständen sicher zu Gunsten der später blühenden Nebenknospen geschmälert.

 

03.05.2018
Anmerkung der Redaktion:Auszug aus dem Rundschreiben. Bei weiteren Fragen zu Mittelwahl und -anwendung wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort (siehe Baum oben - "Beratung vor Ort").