Bodenbearbeitung

Landberatung Springe e. V.

 

Der nasse Herbst im letzten Jahr hat die Bodenbearbeitung und die Bestellung von Wintergetreide deutlich erschwert. Die optimalen Bodenstrukturen, die über die vorangegangenen Jahre aufgebaut wurden, sind im letzten Herbst wieder zerstört worden.

In diesem Jahr folgte eine extreme Trockenheit, bei der die geplante Bodenbearbeitung auf den schweren Böden kaum oder nur erschwert durchführbar waren. Tiefe Bodenbearbeitung oder Pflugfurche haben einen hohen Spritverbrauch und hohe Anforderungen an die Technik gestellt, besonders auf den schweren Böden.

Denken Sie daran: Eine zerstörte Bodenstruktur lässt sich nicht mechanisch wieder herstellen. Sie können durch Bearbeitung aus groben Kluten mehrere kleine Kluten erzeugen. Nach dieser Bearbeitung lässt sich die Bestellung sicherlich noch besser bewerkstelligen, jedoch die Strukturverbesserung wird damit nicht erreicht. Deutlich wurde dies in diesem Jahr auch durch den schlechten Auflauf der Kulturen auf den schwereren Standorten. Strukturschäden lassen sich lediglich durch tiefreichende Frostgare (bis 50 cm), durch tiefreichende Pflanzenwurzeln und durch Quellen und Schrumpfen der Bodenaggregate erreichen.

Daher der Hinweis: Investieren Sie verhalten und überlegt in Bodenbearbeitungsgeräte.

Hier einige Maßnahmen zur Vermeidung von Bodenverdichtungen:
- in nassen Jahren ist die Wasserregulierung wichtig (Vorflut, Dränage spülen und kontrollieren)
- pH-Wert überprüfen, falls erforderlich eine Kalkung durchführen
- Förderung der biologischen Aktivität zur Gefügestabilisierung (durch organische Düngung, und/oder Zwischenfruchtanbau)

Welche technischen Möglichkeiten haben Sie:
- Bearbeitungstiefe wechseln (bei Pflugarbeit; möglichst flach arbeiten, bes. bei Trockenheit)
- möglichst keine Bearbeitung und kein Befahren im nassen und feuchten Bodenzustand (trifft weniger für Sandböden zu und war in diesem Jahr nicht gegeben)
- Vermeidung hoher Fahrzeug- und Gerätegewichte bei hoher Bodenfeuchte
- Einsatz von Breitreifen, Zwillingsbereifung oder niedrige Reifendrücke auf
druckempfindlichen Böden
- Trennung von Transport und Ausbringungsgeräten, z.B. Gülle bzw. Gärreste
- Verzicht auf häufige, tiefere und intensive Lockerung bei Trockenheit
- Reduzierung des Reifeninnendruckes, Reifendruckregelanlage
- Verteilung der Radlast auf mehrere Achsen
- Verringerung der Bodenbearbeitungsintensität

Fehler bei der Bodenbearbeitung führen bei Getreide, Raps, Mais und besonders bei Zuckerrüben zu Mindererträgen. Höchsterträge sind bei Bearbeitungsfehler sowohl bei Verdichtungen als auch bei Überlockerung der Böden nicht mehr zu erreichen. Damit die Pflanzen optimal wachsen, brauchen sie Luft im Boden für das Wurzelwachstum und Wasser, um Nährstoffe aufzunehmen und den Spross zu versorgen. Mit der Bearbeitung unserer Böden wollen wir in erster Linie erreichen, dass die Pflanzen den Boden intensiv durchwurzeln können. Der Wurzelraum sollte möglichst groß, aber nicht überlockert sein, damit die Pflanzen ein tiefes Wurzelsystem bilden. Eine intensive Durchwurzelung ist notwendig, um die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen bei ungünstiger Witterung und bei intensivem Wachstum sicherzustellen. Mit einer tiefen Durchwurzelung erschließen die Pflanzen Wasser- und Nährstoffe im Unterboden.

Der Wassertransport im Boden geschieht auch durch kapillaren Aufstieg, allerdings ist dieser begrenzt und in Sandböden kaum anzurechnen. Deshalb muss die Wurzel dem Wasservorrat im Unterboden entgegenwachsen, um bei Trockenheit immer noch ausreichend Wasser pro Tag aufnehmen zu können.
Allerderdings schadet zu viel Wasser genauso stark wie Trockenheit. Winterfrüchte haben vor allem im Herbst auf vielen Standorten oft eher mit zu viel als mit zu wenig Wasser zu kämpfen, so wie es im letzten Jahr beobachtet werden konnte. Daher muss gewährleistet sein, dass sich überschüssiges Wasser aus der Wurzelzone ableiten lässt (z.B. Drainage). Wasserpfützen auf der Bodenoberfläche sind immer ein Hinweis auf verdichtete Böden. Zu viel Wasser schadet umso mehr, je höher die Temperaturen sind, weil die Wurzeln bei hohen Temperaturen mehr CO2 ausscheiden, das im nassen Boden nicht entweichen kann und das Wurzelwachstum somit hemmt. Wenn der Gasaustausch durch Bodenverdichtungen behindert ist, wirkt sich das gravierend auf die Ertragsfähigkeit, vor allem von Zuckerrüben, Raps, aber auch von Getreide aus. Bestände in der Vegetationsruhe vertragen Nässe wesentlich besser als Bestände, die sich voll im Wachstum befinden. 

Grundsätzlich gilt, für die mechanische Bodenbearbeitung den Boden (wenn notwendig) tief zu lockern, jedoch nicht tief zu wenden und die organische Masse oberflächlich (bis 10 cm) einzubringen. Hierbei ist die Bodenart mit ihrem unterschiedlichen Luftgehalt und ihrem Wasserspeichervermögen zu berücksichtigen. Je intensiver der Boden bearbeitet wird, umso höher wird seine biologische Aktivität und damit auch die Nährstoffmobilisierung, umso höher wird aber auch die Gefahr des Humusverlustes.  (Auszug aus dem Rundschreiben)

16.11.2018
Anmerkung der Redaktion: Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort (siehe Baum oben - "Beratung vor Ort").