Ferienarbeit von Schülern und Studenten

Arbeitgeberverband AGE Niedersachsen e.V.


Für die Einstellung von Schülern und Studenten als Aushilfskräfte in der Ferienzeit möchten wir folgende Hinweise geben:

1. Einstellung
Wichtig ist eine schriftliche Vereinbarung über die Dauer des Arbeitsverhältnisses, über die Art der Tätigkeit und über den Lohn sowie die Erklärung des Arbeitnehmers über weitere (Vor-)Beschäftigungen.
Das Arbeitsverhältnis sollte befristet abgeschlossen werden. Eine Befristung muß zu ihrer Wirksamkeit vor Aufnahme der Tätigkeit schriftlich vereinbart werden.

Die erleichterte Befristungsmöglichkeit ohne Sachgrund ist nach dem Wortlaut des Gesetzes nur dann zulässig, wenn mit demselben Arbeitgeber zuvor kein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden hat.

Ist das Arbeitsverhältnis nicht von vornherein befristet, kann es nur einvernehmlich oder durch Kündigung beendet werden. Befristete Verträge sind ohne weitere Regelung nur außerordentlich kündbar. Daher sollte bei befristeten Verträgen die Möglichkeit zur ordentlichen Kündigung in den Vertrag aufgenommen werden.

Für die Kündigung kann – und sollte – eine kürzere als die normale Frist vereinbart werden, z. B. drei Tage zum Wochenschluß (zulässig für Aushilfsarbeitsverhältnisse von bis zu drei Monaten nach § 622 Abs. 5 BGB).

Bei befristeten Verträgen sollte daher folgender Passus aufgenommen werden:
„Das Arbeitsverhältnis ist auch vor Ablauf der vereinbarten Befristung mit
einer Frist von ... (z. B.: drei Tagen zum Wochenschluß) ordentlich kündbar.“

Arbeitsverhältnisse mit unter 18-Jährigen sind nur mit Einwilligung oder allgemeiner Ermächtigung der gesetzlichen Vertreter wirksam. Die Arbeitsverträge sollten entweder von den Eltern mitunterzeichnet werden oder der Minderjährige sollte eine Erklärung der Eltern abgeben, daß er von ihnen zur Eingehung eines Ferienarbeitsverhältnisses ermächtigt ist.

Beachten Sie bitte die Beschäftigungsverbote für Schüler:
Kinder (d. h. Personen, die noch nicht 15 Jahre alt) sind, dürfen grundsätzlich nicht als Ferienarbeiter beschäftigt werden.

Jugendliche (d. h. Personen, die 15, aber noch nicht 18 Jahre alt sind), die der Vollschulpflicht unterfallen, dürfen vier Wochen im Jahr während der Schulferien arbeiten. Die Arbeitszeit darf dabei nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich betragen.

Jugendliche dürfen grundsätzlich nicht während der Nachtzeit von 20.00 bis 6.00 Uhr arbeiten. An Wochenenden und an Feiertagen darf ebenfalls nicht gearbeitet werden, wobei es berufstypische Ausnahmen gibt. Jugendliche dürfen nur an fünf Tagen in der Woche beschäftigt werden.

Jugendlichen ist nach dem Ende der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Arbeitsbefreiung von mindestens zwölf Stunden zu gewähren.
Auch sind Jugendliche aufgrund ihrer körperlich und geistig noch nicht abgeschlossenen Entwicklung vor zu langen, zu schweren, zu gefährlichen und ungeeigneten Arbeiten zu schützen.

2. Mindestlohn
Das Entgelt kann in angemessenem Rahmen frei vereinbart werden. Die Höhe des Entgelts richtet sich dann nach den allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätzen.

Da Ferienarbeit regelmäßig kein Praktikum darstellt, ist die Arbeit mindestens mit dem geltenden Mindestlohn von derzeit 9,60 € (bis zum 31.12.2021) zu vergüten. Gemäß § 22 Abs. 2 MiLoG gilt dies nicht, wenn die Aushilfskraft noch nicht 18Jahre alt ist und noch keine abgeschlossene Berufsausbildung hat.

3. Urlaub
Auch Aushilfskräfte haben Anspruch auf Urlaub. Wenn kein Tarifvertrag gilt, richtet sich der Urlaubsanspruch nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) bzw. nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG).

Nach dem BUrlG hat die Aushilfskraft bei einer Sechs-Tage-Woche für jeden vollendeten Beschäftigungsmonat einen Urlaubsanspruch in Höhe von
- 1/12 von 24 Werktagen (Fünf-Tage-Woche 1/12 von 20 Werktagen).

Für Beschäftigte unter 18 Jahren beträgt der gesetzliche Urlaub für jeden vollendeten Beschäftigungsmonat nach § 19 JArbSchG:
- 1/12 von 30 Werktagen (Fünf-Tage-Woche 1/12 von 25 Werktagen), wenn der Arbeitnehmer zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre,
- 1/12 von 27 Werktagen (Fünf-Tage-Woche 1/12 von 22,5 Werktagen), wenn der Arbeitnehmer zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre und
- 1/12 von 25 Werktagen (Fünf-Tage-Woche 1/12 von 20,8 Werktagen), wenn der Arbeitnehmer zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt ist.

Da Ferienarbeiter die sechsmonatige Wartezeit für die Inanspruchnahme des vollen Urlaubsanspruches nicht erfüllen und Teilurlaub regelmäßig aufgrund der nur kurzen Vertragslaufzeit nicht genommen wird, können die Ferienarbeiter die Abgeltung am Ende des Arbeitsverhältnisses verlangen.

Die Urlaubsabgeltung kann nicht im pauschalen Stunden- oder Monatslohn enthalten sein. Wird Urlaubsabgeltung vereinbart, so muß diese am Ende des Arbeitsverhältnisses als solche gesondert ausgewiesen und abgerechnet werden. Diese zusätzlichen Kosten sollten bereits bei der Festlegung
des Stunden- oder Monatslohns berücksichtigt werden.

4. Ruhepausen/Ruhezeiten
Bei der Beschäftigung von Jugendlichen sind folgende Ruhepausen zu gewähren (§ 11 JArbSchG):
- bei einer Arbeitszeit von mehr als 4,5 - 6 Stunden mindestens 30 Minuten
- bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden mindestens 60 Minuten.

Es darf keine Betätigung länger als 4,5 Stunden hintereinander ohne Ruhepausen angeordnet werden.

Die Ruhepausen müssen in angemessener zeitlicher Lage gewährt werden:
frühestens eine Stunde nach Beginn, spätestens eine Stunde vor Ende der Arbeitszeit.

Als Ruhepause gilt nur eine Arbeitsunterbrechung von mindestens 15 Minuten.
Zwischen Beendigung und Beginn der täglichen Arbeitszeit müssen mindestens zwölf Stunden ununterbrochene Freizeit liegen.

Für volljährige Schüler und Studenten gilt das Arbeitszeitgesetz (§§ 4 und 5 ArbZG).


5. Krankheit
Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht nach der gesetzlichen Regelung erst nach vierwöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses.

6. Lohnsteuer
Ferienarbeiter sind wie jeder Arbeitnehmer lohnsteuerpflichtig.
Der Arbeitgeber ruft die Lohnsteuermerkmale bei der Finanzverwaltung elektronisch ab.

Ferienarbeiter können auch ohne individuellen Lohnsteuerabzug mit Pauschalierung der Lohnsteuer, Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags beschäftigt werden, wenn die allgemeinen Voraussetzungen für die Steuerpauschalierung vorliegen. Der individuelle Lohnsteuerabzug ist für
Schüler und Studenten meist günstiger als eine Pauschalierung, da die einbehaltene Lohnsteuer auf Antrag vom Finanzamt erstattet wird, wenn die Jahresarbeitslohngrenze nicht überschritten wird.

7. Sozialversicherung
Wie bei anderen Arbeitnehmern muß der Arbeitgeber auch bei Schüler- und
Studentenbeschäftigung beurteilen, in welcher Höhe Sozialversicherungsbeiträge und Umlagen fällig werden und diese an die Einzugsstelle zahlen. Relevant ist hier insbesondere die Möglichkeit
einer sog. kurzfristigen Beschäftigung nach § 8 Abs.2 Nr. 2 SGB IV, wenn die Beschäftigung im voraus vertraglich begrenzt ist, sie innerhalb eines Kalenderjahres längstens drei Monate oder 70 Arbeitstage andauert und nicht berufsmäßig ausgeübt wird.

Wichtig: Zur Abmilderung der durch die Covid-19-Pandemie entstandenen Schwierigkeiten ist die zulässige Dauer der kurzfristigen Beschäftigung einmalig in diesem Jahr, befristet für die Zeit vom 01.03.2021 bis einschließlich 31.10.2021, für alle Formen der kurzfristigen Beschäftigung auf eine
Höchstdauer von vier Monaten oder 102 Arbeitstagen ausgeweitet worden.

Der Arbeitgeber hat an die Einzugsstelle (Krankenkasse) bzw. im Falle der geringfügigen Beschäftigung an die Minijobzentrale Meldungen über die Beschäftigungsaufnahme und - beendigung, Entgelte und Beiträge zu erstatten. Für geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer ist ausnahmslos die Minijobzentrale der Deutschen Rentenversicherung (Knappschaft-Bahn-See)
zuständig (www.minijobzentrale.de).

Sofern keine geringfügige Beschäftigung vorliegt, sind Meldungen und Beiträge an die Krankenkasse zu richten, bei der die Krankenversicherung (ggf. Familienversicherung) besteht.

Falls keine Versicherung bei einer gesetzlichen Krankenkasse besteht, ist die letzte Krankenkasse zuständig, bei der ein Versicherungsverhältnis bestanden hat, ansonsten ist die Kasse frei wählbar.

Auch für kurzfristig beschäftigte Arbeitnehmer sind Meldungen zur Sozialversicherung zu erstatten.

 

12.07.2021:
Anmerkung der Redaktion: Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort (siehe Baum oben - "Beratung vor Ort").