Maisnutzung auf Milchviehbetrieben

Landberatung Grafschaft Hoya e. V.

 

Aufgrund der hohen Getreide- und Futtermittelpreise sowie der großen Menge an eingefahrener Grassilage kommt für einige Betriebe die Nutzung des angebauten Maises als CCM oder Körnermais bzw. ein Verkauf infrage. Es ist jedoch nicht jede Maissorte als Körnermais geeignet!
Über die Ermittlung von Vergleichspreisen (Methode Löhr) werden die Energie- und Rohproteingehalte anderer Futtermittel und deren Marktpreise frei Hof ins Verhältnis gesetzt und  somit  eine Wertermittlung  vorgenommen.  Wichtig  ist  zu  beachten,  dass  bei  dieser Methode weder Mineralstoff- und Vitamingehalte noch verdauungsphysiologische Parameter des Maises berücksichtigt werden.

 

Vergleichsfuttermittel

Vergleichspreis

€/dt

Aktueller Marktpreis

€/dt

Rapsextraktionsschrot

35,60

28,50

Melasseschnitzel

24,20

26,55

MLF 20/4

29,30

28,00 - 29,00

Körnermais

24,10

30,30

Gerste

24,30

24,50

Feuchtmais/CCM

16,00

20,30 - 21,30

Biertreber

5,80

6,70 (incl. Schlauch)

Pressschnitzel

5,00

20,00 - 21,80

 

Dabei sind bei den Feuchtfuttermitteln entsprechende Abschläge berücksichtigt, welche die Kosten für die Lagerung, Silierverluste und Mehrarbeit berücksichtigen.

Werden die entsprechenden Ersatzfuttermittel unter dem errechneten Vergleichspreis gekauft, ist das Futtermittel im Energie- und Proteingehalt günstiger als die Vergleichsfutter Weizen und Sojaschrot. Dieser Vergleichspreis ändert sich bei schwankenden Preisen.

Ob ein Verkauf/eigene Nutzung des stehenden Maises als Körnermais, CCM oder Silomais sinnvoll ist, soll mit dem folgenden Vergleich aufgezeigt werden, indem der Verkaufspreis für CCM und Silomais vom Körnermaispreis frei Landhandel abgeleitet wird. Dabei spielen auch die Faktoren Feuchtegehalt des Maises zur Ernte und die Trocknungskosten eine Rolle. Folgende Werte wurden für die folgende Kalkulation zu Grunde gelegt:

Körnermais:
•   Erntemenge Körnermais bei Feuchtegehalt von 35 %: 120 dt/ha
•   Trocknungsgebühren je %-Feuchte 0,08 €
•   Dreschkosten und Transport je ha 150 €
CCM:
•   TS-Gehalt 66 %
•   Geenteter Spindelanteil 30%
•   Var. Kosten Dreschen, Mahlen, Silieren 315 €
•   Silierverluste 7% Silomais:
•   Trockenkolbenanteil: 55%
•   Feuchtegehalt: 32%
•   Erntekosten, Silierkosten 270 €
•   Silierverluste 10%

 

 

Körnermaispreis frei Handel Netto /dt

25

22

Marktleistung abglich Ernte und Trocknungskosten=

Preis für Verkauf ab Feld als Silomais oder CCM

1.857 €

1.572

Mindestverkaufspreis CCM/dt ab Silo Netto

18,03

15,66

Mindestverkaufspreis Silomais/dt ab Silo Netto

4,32

3,74

 

 

(ohne Berücksichtigung der Nachteile durch eine spätere Bestellung der Folgefrucht)



Hier zeigt sich, dass bei einem Körnermaispreis von 22 € der sich daraus ableitende Preis für CCM bei ca. 15,60 € liegt und sich damit in der Nähe des Vergleichspreises befindet.

Diese beiden Berechnungen berücksichtigen aber nicht die besonderen Eigenschaften des Maises als Futtermittel, welches viel beständige Stärke für die Ration von Milchkühen liefert. Dieses ist besonders wichtig, wenn die Ration viele Futtermittel enthält, die schnell verfügbare Energie enthalten, wie z.B. Getreide oder Grassilage mit sehr hohen Zuckergehalten. Dazu gehört auch Maissilage, die einen längeren Silierprozess durchlaufen hat. Denn durch den Einfluss der Gärsauren wird die Maisstärke immer unbeständiger. Das gleiche trifft in etwas geringerem Umfang auch auf CCM zu. Mit dem Maispreisrechner der LWK können Sie ihre individuelle Kalkulation vornehmen (Webcode: 01039491).

Alternativ besteht auch die Möglichkeit, den Silomais im sogenannten Hochschnittverfahren zu ernten, was bei grasbetonten Silagen oder späten 1. Schnitten in Betracht kommt. Dies führt zu etwa 10 % weniger Masseertrag auf der Fläche bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Energiekonzentration um ca. 0,2 MJ NEL/kg TM. Durch verminderten Kraftfuttereinsatz müssen die anteilig höheren Produktionskosten kompensiert werden. Bei Betrieben, die sehr
„maislastig“ füttern, ist es eher entscheidend, die hohe Gesamtverdaulichkeit der Pflanze im Auge zu behalten.

Die Entscheidungen über Verkauf und Nutzung sowie die Erntetechnik müssen betriebsindividuell getroffen werden. Allen gemein ist jedoch die Notwendigkeit der Kontrolle der Häckselqualität.

Bereits beim ersten Ladewagen sollte überprüft werden, ob die Einstellungen des Häckslers wie gewünscht zu mehrheitlich angeschlagenen Maiskörner führen. Dies kann mit einem Eimer Wasser und einem Litermaß Häckselgut bzw. der Überprüfung und Auszählung der sich am Boden abgesetzten Maiskörner leicht kontrolliert werden. Um die Strukturwirksamkeit der Maissilage zu erhöhen, kann es bei noch recht grünen Ganzpflanzen sinnvoll sei, die Häcksellänge um einige Millimeter zu erhöhen.

Weitere Grundsätze zur Silomaisernte:
- Silohaufengeometrie: Im Winter einen Vorschub von ca. 1,5 m und im Sommer von ca. 2 m pro Woche garantieren.
- Stoppellänge mind. 30 cm – darunter hauptsächlich Schmutz und Rohfaser (Lignin)
- Je trockener das Häckselgut, desto besser muss verdichtet werden. Faustzahl: Je 20 t TM bzw. 1,5 ha/Std ein Walzfahrzeug (Gewicht mind. 10 t)
- Trockene Flächen zuerst häckseln (Nasses Häckselgut zum Verdichten oben rauf)
- Silohaufen sofort luftdicht abdecken und frühestens nach 4 – 6 Wochen Silierung wieder öffnen
- Bei Futterknappheit und damit verbundener vorzeitiger Nutzung der neuen Silage ist es sinnvoll eine separate kleinere Miete anzulegen und diese mit geeigneten Siliermitteln, die zu einer reduzierten Siloreifezeit beitragen und der Nacherwärmung vorbeugen, zu versehen. (Auszug aus dem Rundschreiben)

22.09.2021:
Anmerkung der Redaktion: Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort (siehe Baum oben - "Beratung vor Ort").