Gute Stoppelbearbeitung ist wichtig

Die Gerstenernte ist teilweise schon angelaufen und somit richtet sich der Blick auf die Folgearbeiten. Eine gute
Stoppelbearbeitung ist zur Bekämpfung von Unkraut- und Ausfallsamen, zur Verhinderung der Austrocknung des
Bodens und zur Beschleunigung des Abbaus der Ernterückstände sowohl bei geplanter Mulchsaat der Folgekultur, als auch bei Pflugsaat sinnvoll und wichtig.


Nach der Getreideernte sollte in Abhängigkeit vom Ungrasbesatz und der Bodenfeuchtigkeit das weitere Vorgehen ausgewählt werden:
a) Bei
ausreichender Bodenfeuchtigkeit sollte die erste Stoppelbearbeitung, egal mit welchem Gerät sie
durchgeführt wird, unverzüglich nach der Aberntung, möglichst flach (5-8 cm Arbeitstiefe) und mit guter
Rückverfestigung, erfolgen.
b) Unter eher
trockenen Verhältnissen ist es besser, erst auf Niederschläge zu warten, bevor mit der
Stoppelbearbeitung begonnen wird. In den trockenen Vorjahren hat sich gezeigt, dass bei extrem trockenen Boden- und Witterungsverhältnissen durch die Stoppelbearbeitung die Böden eher noch stärker ausgetrocknet sind, als wenn sie unbearbeitet mit der gehäckselten Strohauflage liegen geblieben sind.
c)
Sondersituation: Wenn Fuchsschwanz oder Weidelgras im Getreide erheblich Aussamen konnten
oder ein Queckenbesatz bekämpft werden soll, sollte
die Stoppelbearbeitung erstmal unterbleiben, bis
die Gräser aufgelaufen sind bzw. die Quecken wieder durchgegrünt sind. Auch ein flacher Bearbeitungsgang z.B. mit der Scheibenegge trägt dazu bei, dass die Samen bei Erdkontakt in die sekundäre Keimruhe verfallen und somit erst in den Folgejahren auflaufen. Dadurch wird das Samenpotenzial Jahre aufgebaut statt abgebaut! Wenn möglich, sollte der Einsatz eines
Strohstriegels (ggf. Landmaschinenhändler
nach Vorführmaschine fragen) erfolgen, um die Grassamen aus dem Kaff und Stroh zu „kämmen“ und
somit an der Bodenoberfläche zum Keimen zu bringen. Alternativ kann
Schlegeln und Walzen sinnvoll
sein. Danach sollte (außerhalb der Wasserschutz- & Heilquellenschutzgebiete) eine Behandlung mit
Glyphosat erfolgen, bevor die erste Bodenbearbeitung durchgeführt wird.


In einem
zweiten Stoppelbearbeitungsgang werden dann später mit einer Arbeitstiefe von 8-12 cm aufgelaufenes Ausfallgetreide und Unkraut eingearbeitet. Wenn sehr viel Ausfallgetreide entstanden ist, ist es sinnvoll, den
flachen Stoppelbearbeitungsgang zeitnah nach dem Auflaufen der ersten Ausfallgetreidewelle zu wiederholen und
erst danach tiefer in den Boden einzugreifen.
Nur wenn im folgenden Frühjahr z.B. Zuckerrüben im Strohmulch – Verfahren bestellt werden sollen, kann durch
einen in den Spätsommer hinausgezögerten ersten Stoppelbearbeitungsgang der Strohabbau vermindert und
damit der Erosionsschutz in den Zuckerrüben verbessert werden.


Die erste Welle
des ausgefallenen Rapses keimt auch unter Stroh und Kaff ohne vorherige Bodenbearbeitung. Daher sollte direkt nach der Ernte keine Stoppelbearbeitung erfolgen, um die Ausfallrapskörner nicht zu
vergraben und damit in die Keimruhe zu versetzen. Insbesondere bei langen Rapsstoppeln ist direkt nach der
Ernte das
Mulchen/Schlegeln der Rapsstoppeln in Erwägung zu ziehen. Durch das Mulchen wird die Stängel
Bei allen Pflanzenschutzmaßnahmen sind die Gebrauchsanweisung und die gesetzlichen Vorgaben zu beachten! 3
rotte gefördert, der Krankheitsdruck für den nächsten Rapsanbau gemindert und die enthaltenen Nährstoffe der
nachfolgenden Kultur besser zur Verfügung gestellt.
Sobald der Ausfallraps 2-3 Laubblätter gebildet hat und
spätestens bei einer Wuchshöhe von 10 cm sollte er
dann mit einer flachen Stoppelbearbeitung beseitigt werden, um der
Schneckenausbreitung entgegen zu wirken
und auch um gegen
Kohlhernie und in Rübenfruchtfolgen gegen Rübennematoden vorbeugend zu handeln.
Bei entsprechend fortlaufend feuchter Witterung kann ein hoher Schneckenbesatz befürchtet werden. Daher sollte
jede Möglichkeit zur mechanischen Störung der Schnecken genutzt werden! Ein längeres ungestörtes Wachsenlassen des Ausfallrapses ist ackerbaulich zu werten wie ein Raps-Zwischenfruchtanbau direkt nach dem RapsHauptfruchtanbau und daher insbesondere in engen Rapsfruchtfolgen kritisch!


Wo Raps und Zuckerrüben in einer Fruchtfolge stehen, ist eine rechtzeitige Bekämpfung des Ausfallrapses auch
wichtig, um eine Nematodenvermehrung zu verhindern. Rund 2-3 Wochen nach dem Auflaufen des Rapses wird
die Temperatursumme erreicht, bei der der Raps zur Verhinderung der Nematodenvermehrung mechanisch oder
chemisch beseitigt werden sollte. Sobald der zweite Rapsaufschlag wieder max. 10 cm hoch ist, ist folglich ein
zweiter Stoppelbearbeitungsgang erforderlich.


Ein
Glyphosat-Einsatz zur Zerstörung des Rapsaufwuchses an Stelle einer Stoppelbearbeitung sollte nur in Erwägung gezogen werden, wenn der Rapsaufwuchs zu üppig geworden ist und daher nicht mehr zufriedenstellend
mechanisch eingearbeitet werden kann und /oder ein erheblicher Unkrautaufwuchs mit Stiefmütterchen, Kamille,
Quecke, etc. vorhanden ist. Eine mechanische Störung der Schnecken verbleibt dann allerdings.

 

Autor: Landberatung Hameln/Holzminden

12.07.2022

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