Sommermaßnahmen Milchkühe

Beratungsringe der Stader Saatzucht e. V.

Der Sommer hat uns fest im Griff

Die letzten Wochen war es bereits sehr warm mit Temperaturen zwischen 20 – 28 °C. Diese Temperaturen bedeuten einen hohen Stressfaktor für die Milchkühe und Nachzucht. Durch den stetigen Wind wirkt sich dieser in Ställen mit offenen Seitenwänden weniger stark aus, nichts desto trotz ha- ben es die Tiere schwer und es kann zu Leistungseinbußen kommen. Wir möchten noch einmal an einige Maßnahmen erinnern, die zur Verbesserung der Stresssituation beitragen.

Kühe: (Hitzestress ab 17°C)

  • Seitenwände/Fenster/Tore öffnen
  • Windschutznetze reinigen (staubige Netze verringern Luftgeschwindigkeit um 20%)
  • Vorhandene Axialventilatoren
    • reinigen (Leistungsabfall von 40%)
    • Ausrichtung überprüfen (Luftgeschwindigkeit >2m/s)
  • Axialventilatoren installieren (Vorwartehof, Melkstand, evtl. Liegeboxen, Futtertisch)
  • Tränken kontrollieren
    • Anzahl (1 funktionierende Tränke je 15-20 Tiere)
    • Durchsatzleistung (60-80 l/min)!

Kälber: (Hitzestress ab 22°C)

  • Seitenwände/Fenster/Tore öffnen
  • Belegdichte in Gruppe reduzieren
  • Abstand zwischen Einzelhütten vergrößern
  • Keine Eigenbauiglus aus 1.000 l-Behältern (Brutiglus!)
  • Iglus in den Schatten stellen
  • Frisches, kühles Trinkwasser ab 1. Lebenstag ad libitum
  • Häufiges Ausmisten
  • Fliegenbekämpfung

Auch in neueren Ställen sollte die Situation geprüft werden, je nach Windrichtung bzw. Wetterlage kann auch hier die Luftgeschwindigkeit verringert sein.

Fütterung
Bedingt durch den Hitzestress können vermehrt Azidosen auftreten. Deshalb sollte gerade jetzt auf Azidoseanzeichen geachtet werden. Insbesondere hochleistende Tiere haben durch den schnelleren Stoffwechsel eine höhere Wärmeproduktion und Probleme mit der Wärmeregulation. Die Tiere stehen oft in luftigeren Ecken des Stalls, saufen viel und liegen viel. Die Wiederkautätigkeit geht deutlich zurück, einige Tiere beginnen auch, die Wände abzulecken und/oder Urin zu trinken. Der Stoff- wechsel wird zurückgefahren, der Energieverbrauch steigt, die Milchleistung, die Aktivität und die Futteraufnahme sinken.

Wenn möglich, sollte die Ration dahingehend angepasst werden, dass eine Azidose gar nicht erst auftritt. Eine Azidose kann wiederum andere Probleme nach sich ziehen, wie Euterentzündungen, Klauen- und Fruchtbarkeitsprobleme.

  • Die Energiedichte sollte erhöht werden, um eine geringere Futteraufnahme zu kompensieren
  • Auf ausreichend Strukturgehalt ist zu achten (evtl. Heu zur freien Aufnahme anbieten)
  • Puffersubstanzen einsetzen (z. B. Natriumbicarbonat 150-300g Tier/Tag), um reduzierte Wiederkautätigkeit auszugleichen
  • Erhöhung der Gaben von Mineralfutter (+10%), da Ausscheidung der Elektrolyte über Schweiß
  • Häufiger Füttern und/oder Futter heranschieben, um die Futteraufnahme anzuregen
  • Futteraufnahme in allen Gruppen engmaschig überwachen,
  • Nacherwärmung vermeiden: Konservierung mit z.B. Kaliumsorbat

Falls doch Azidoseanzeichen bei Einzeltieren auftreten sollten, gilt es schnell zu reagieren und diese Tiere zu behandeln (Drenchen + Schmerzmittel + Infusion) und sie mit ausreichend Struktur zu versorgen.

Bei den Kälbern reicht das zweimalige, tägliche Tränken von 4-6 Litern Milch nicht mehr aus. Bei einer Umgebungstemperatur von 27 °C scheidet ein Kalb doppelt so viel Wasserdampf aus wie bei 10 °C. Der Wasserbedarf eines 60 kg schweren Kalbes steigt bei einer Temperatur von 25°C von 7 Litern auf über 12 Liter. Also sollte jedes Kalb ab dem 1. Lebenstag frisches Wasser zur Verfügung gestellt bekommen.

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