Hitzestress in Milchviehställen

Mit den steigenden Temperaturen, die uns in den nächsten Tagen/Wochen erwarten, steigt die Stressanfälligkeit der Kühe gegenüber Hitze. Bereits ab einer Temperatur von 18°C beginnt der Stresszustand, der zu geringeren Futteraufnahmen, einer verminderten Milchleistung, Fruchtbarkeitsproblemen, sowie einer erhöhten allgemeinen Krankheitsanfälligkeit (z.B. Euterentzündungen, Klauengesundheit) führen kann. Weitere typische Symptome sind hechelnde Tiere und das Drängen der Kühe an Tränken oder unter Ventilatoren. Auch bei Trockenstehern birgt Hitzestress eine unterschätze Gefahr, da es zu gesundheitlichen Spätfolgen für
Kuh und Kalb kommen kann. Die Auswirkungen werden erst zeitversetzt in der folgenden Laktation deutlich, durch eine geringere Milchleistung, ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselkrankheiten, wie Ketosen, Azidosen
und Nachgeburtsverhalten, sowie einer schlechteren Biestmilchqualität. Ein konsequentes und vorausschauendes Management hilft, Leistungseinbrüche sowie Gesundheits- und Fruchtbarkeitsprobleme während Hitzeperioden zu vermeiden.

Stallklima und Kühlung
Ventilatoren sorgen für einen kontinuierlichen Luftaustausch. Sie sind regelmäßig auf Leistung und Ausrichtung zu kontrollieren. Kuhduschen oder Sprinkleranlagen können zusätzlich helfen, die Körpertemperatur aktiv zu senken. Dabei hat die Kühlung gezielt von oben zu erfolgen, ohne Liegeflächen zu durchnässen, da feuchte und warme Liegeboxen den Keimdruck und das Mastitisrisiko fördern. Außerdem wirken sich trockene und gut durchlüftete Boxen positiv auf die Liegezeit aus. Auch der Transit- und Frischabkalbebereich ist dabei nicht zu vernachlässigen, da Kühe in dieser Phase besonders empfindlich auf Hitzestress reagieren. Das regelmäßige Ausmisten der Strohställen ist besonders wichtig und hat mindestens alle 10 Tage zu erfolgen.

Fütterung und Wasserversorgung
Die Futtervorlage hat in den kühlen Morgen- oder Abendstunden zu erfolgen. Häufiges Futteranschieben fördert die Futteraufnahme zusätzlich. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle der TMR auf Nacherwärmung. Der
Einsatz von Kaliumsorbat oder anderen Stabilisierungsmitteln im Futtermischwagen kann hier sinnvoll sein. Auch die Mineralstoffversorgung ist zu überprüfen und ggf. anzupassen. Rationsüberprüfungen und
Rationsanpassungen sind besonders wichtig, da die Pansenstabilität bei hohen Temperaturen sinkt. Um eine Pansenübersäuerung zu verhindern, ist die Struktur-, Energiedichte, sowie der Stärkeeinsatz anzupassen. Der
Fokus muss auf einer pansenstabilen Stärkeversorgung liegen.
Bei der Wasserversorgung ist darauf zu achten, dass ausreichend saubere Tränken mit einer hohen Durchflussmenge (mindestens 20 Liter pro Minute) den Tieren zur Verfügung stehen und für alle Tiere gut
erreichbar sind (auch rangniedrige Kühe bedenken).

 

 

Spezialberatungsring für Rinderhaltung und Futterbau e.V.

15.06.2026