Andüngung Wintergetreide

Die ergiebigen Niederschläge in diesem Winter haben zum einen die Grundwasservorräte wieder positiv aufgefüllt, zum anderen hat dies jedoch vor allem auf den sorptionsschwachen Geest Sandstandorten dazu geführt, dass Nährstoffe auch verlagert wurden! Die ersten Nmin-Ergebnisse für Winterungen weisen mit 10 – 25 kg relativ niedrige Werte auf. Stellenweise sieht man üppig entwickelten Beständen (u.a. Wintergerste) auch bereits an, dass sie bei ansteigenden Temperaturen und einhergehend beginnender Vegetation „nach Nährstoffen rufen“.
In diesem Jahr spielt nicht nur Stickstoff eine Rolle, sondern auch die Grundnährstoffe! Betroffen sind alle mobilen Nährstoffe wie Schwefel (S), Kalium (K2O), Magnesium (MgO), Mangan (Mn) und Bor (B), weil die hohen Niederschläge seit dem Herbst die Böden mehrfach durchgespült haben. Besonders Kalium unterliegt auf sandigen, und damit bindungsarmen Standorten einer nicht unerheblichen Verlagerung, ähnliches gilt für Magnesium. Wie beim Nitrat-N unterliegt auch der Schwefel einer größeren Verlagerung bei entsprechender Niederschlagsintensität im Winter 2024/25. Alles in allem zeigt sich, dass der ausgewogenen Nährstoffversorgung in diesem Frühjahr ein größeres Augenmerk geschenkt werden muss.

Generell gilt: Düngung nach Düngebedarfsermittlung!

• Nmin-Proben: Im Ackerbau sind eigene Nmin-Proben in den „roten“ Gebieten zu ziehen, um den Düngebedarf zu bestimmen. Außerhalb dieser Gebiete können die Richtwerte der Landwirtschaftskammer für die Kalkulation verwendet werden.
• Schwache, wenig bestockte Bestände etwas höher andüngen (70 – 80 kg/ha N)
• Schwefeldüngung für Wintergetreide: Es ist ratsam, schwefelhaltige Dünger bei der ersten Stickstoffgabe zu verwenden. Gülle und Gärreste tragen in der Regel nicht zur Schwefelversorgung bei, da der enthaltene Schwefel für die Pflanzen zu spät verfügbar ist. Wintergetreide benötigt etwa 20
– 25 kg/ha Schwefel je nach Ertragsniveau.
• Gestresste Bestände bei schwacher P-Versorgung frühzeitig mit Gülle oder z.B. 0,5 – 1dt/ha DAP versorgen. Bei schwachen pH-Wert eine Kopfkalkung mit 8 – 12 dt/ha Granukal durchführen.
• Kalium, Magnesium und Kalkdüngung entsprechend der Bodenuntersuchung beachten!

Der Schwerpunkt der Düngung des Wintergetreides ist immer auf die zweite Gabe (Schossergabe) zu legen. Dies gilt besonders beim Anbau von W-Gerste in den roten Gebieten. In diesem Jahr sind die Bestände bei schwacher Pflanzenentwicklung früher und stärker anzudüngen. In den
meisten Fällen reicht aber 50–60 kg N/ha. Im Mittel der Jahre ist es völlig ausreichend, wenn die N–Startgaben bis ca. Anfang März ausgebracht werden. Sehr kalte und träge Böden (Marsch) sollten bekannter Maßen weiterhin sehr früh die Startgabe erhalten. Wenn die Bedingungen es zulassen, ist die Gülleapplikation so früh wie möglich durchzuführen, um hohe Wirkungsgrade zu erzielen. In der Regel wird eine Gülle- oder Gärrest-Düngung von 15-25 m3/ha empfohlen, kombiniert mit einer Mineraldüngung von 40-50 kg N/ha. Wintergetreide ohne Gülledüngung ist je nach Entwicklung mit 50-70 kg N/ha zu düngen. Schwache Wintergetreidebestände können mit einer intensiven mineralischen Startgabe von bis zu 80 kg N/ha unterstützt werden.

Folgende Dinge sind vor den Düngungsmaßnahmen zu klären:
• Nmin-Proben im Roten Gebiet vorab ziehen
• Streutabellen (Handy-Apps) aktualisieren und auch benutzen
• Querverteilung regelmäßig prüfen (Streuschalen/Prüfmatten)
• Noch verbleibende Zeit nutzen, um ggf. auch mal eine Düngerprobe zum jeweiligen Düngerstreuer-Hersteller zur exakten Ermittlung der Einstellung einzuschicken
• Analysen für organische Dünger erneuern

N-Düngungsstrategie für „Rote Gebiete“: Es ist individuell zu entscheiden, in welcher Frucht und auf welchem Schlag der begrenzte Stickstoff am wirtschaftlichsten eingesetzt werden kann.

Andüngungsrichtwerte in kg N/ha

Beim Einsatz organischer Dünger ist der verfügbare Ammoniumanteil (z.B. Schweinegülle 1,0 –1,5 kg/m3) bei der Andüngungs-Startgabe abzuziehen.
Mikronährstoffe: Bei Aufhellungen im Wintergetreide, insbesondere in Wintergerste, liegt die Ursache häufig in einem Manganmangel, da die Verfügbarkeit bei kalten Böden begrenzt ist. Bei deutlichem Mangel hat eine Blattdüngung mit z.B. 10 kg/ha EPSO Profitop + 1,5 kg /ha EPSO Bortop zu Vegetationsbeginn zu erfolgen.

 

Autor: Stader Beratungsringe e.V.

12.02.2025