Nach der ersten Hitzewelle überlegen einige Betriebe, aufgrund steigender Stromkosten Ventilatoren durch Wasserkühlung zu ergänzen oder teilweise zu ersetzen. Gerade bei selbstgebauten Vernebelungs- oder Beregnungsanlagen ist jedoch Vorsicht geboten. Unsachgemäß eingesetzt kann Wasser den Hitzestress sogar verstärken und gleichzeitig die Tiergesundheit beeinträchtigen.
Eine wirksame Verdunstungskühlung setzt eine ausreichende Luftbewegung voraus. Nur wenn die feinen Wassertröpfchen vollständig verdunsten können, entsteht der gewünschte Kühleffekt. Ohne leis
tungsfähige Ventilatoren steigt dagegen die Luftfeuchtigkeit im Stall an. Die Wärmeabgabe der Kühe wird erschwert und es entsteht ein unerwünschter „Saunaeffekt“. Besonders kritisch wird dies bei einer
relativen Luftfeuchtigkeit von über 70 %. In diesem Fall sollte auf eine Wasservernebelung verzichtet werden. Wasser darf zudem niemals unkontrolliert im gesamten Stall verteilt werden. Liegeboxen,
Tiefstreubereiche und insbesondere die Euter müssen trocken bleiben. Dauerhaft feuchte Liegeflächen erhöhen das Risiko für Eutererkrankungen erheblich.
Je nach System gelten unterschiedliche Anforderungen. Hochdruck-Vernebelungsanlagen erzeugen feinste Wassertröpfchen, die bereits in der Luft verdunsten. Dadurch wird die Umgebungsluft gekühlt,
ohne dass die Tiere oder Liegeflächen durchnässt werden. Niederdrucksysteme, sogenannte Kuhduschen, arbeiten dagegen mit größeren Wassertropfen. Hier wird gezielt die Rückenpartie der Kühe be
netzt. Die eigentliche Kühlung erfolgt anschließend durch die Verdunstung des Wassers auf der Haut und setzt ebenfalls eine starke Luftbewegung durch Ventilatoren voraus. Deshalb sollten Kuhduschen
bevorzugt im Fressbereich oder im Vorwartehof installiert werden und nicht im Liegebereich.
Unabhängig vom eingesetzten System sollten Wasseranlagen grundsätzlich im Intervallbetrieb arbeiten und möglichst temperatur- bzw. THI-gesteuert betrieben werden. Mehrere kurze Beregnungsphasen
mit anschließender Trocknung durch ausreichend Luftbewegung sind deutlich wirksamer als eine dauerhafte Wasserzufuhr.
Fazit: Wasser kann die Kühlung von Milchkühen wirkungsvoll unterstützen, ersetzt jedoch keine ausreichende Ventilation. Entscheidend sind eine fachgerechte Planung, der richtige Einsatzort und eine
leistungsfähige Luftführung. Wer den Einsatz einer Wasserkühlung oder Vernebelungsanlage – insbesondere in Eigenbauweise – plant, sollte die Anlage sorgfältig planen und an die Gegebenheiten des
Stalles anpassen. Bei Fragen zur einzelbetrieblichen Umsetzung wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort.
15.07.2026