Wie man an den gerollten Blättern sehen kann, versetzt die vielerorts anhaltende Trockenheit die Maisbestände des Beratungsgebiets in Trockenstress. Damit einher gehen vor allem auf den leichteren Standorten auch eine schnelle Abreife und die Frage, wann der Mais denn erntereif ist.
Bestände auf sehr trockenen Standorten zeigen bereits deutlichen Trockenstress, bei dem die unteren Blattetagen absterben. Die Bestände haben in der Regel einen teilweise ausgebildeten Kolben und befinden sich in der Milchreife. Sind in diesem Stadium die Blätter unterhalb des Kolbens abgestorben, sollte mit der Ernte dieser Bestände begonnen werden, um einer zu starken Verholzung und damit Minderung der Verdaulichkeit vorzubeugen. Dabei sollten die Bestände an mehreren Stellen beurteilt werden, Feldränder allein sind hier wenig aussagefähig.
Bereits starke Trockenschäden zeigende Maisbestände sollten auch nach einem evtl. auftretenden Regen zügig geerntet werden. Häufig werden diese Pflanzen dann von Fusarien besiedelt, was die Silierfähigkeit und die Stabilität der Maissilagen negativ beeinflusst. Bei noch nicht stark unter Trockenstress leidenden Beständen, wird ein Niederschlag zu einer Verlangsamung der Abreife führen. Aber auch hier sollten die Bestände regelmäßig überprüft werden, um den optimalen Erntezeitpunkt nicht zu verpassen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass oft eher zu spät als zu früh gehäckselt wird.
Der optimale Erntetermin für das Häckseln und Silieren des Mais liegt bei einem Trockensubstanzgehalt von 32 – 34 %. Die wöchentliche Vergrößerung des Anteils der TS liegt in der Regel bei etwa 1,5 – 3,0 %. Prognosesysteme sagen aktuell für frühe und mittelfrühe Sorten eine wöchentliche Erhöhung des TSGehalts von 3,2 – 3,3 % voraus.
Der TS-Gehalt wird vor allem durch die Stärkeeinlagerung im Maiskolben bestimmt und durch das Mengenverhältnis zwischen Kolben- und Restpflanze beeinflusst. Optimal sind für das Korn die späte Teigreife mit 55 – 60 % TS und für die restliche Maispflanze 22 % TS. Wie in der nachfolgenden Grafik ersichtlich wird, bieten sich verschiedene Anhaltspunkte, um die aktuelle TS der Restpflanze zu schätzen. Hierfür sollte man den Stängel einer repräsentativen Pflanze am Boden abschneiden und etwa 35 cm über dem Schnitt auswringen. Läuft beim Auswringen Pflanzensaft aus, liegt die TS ungefähr bei 18 % und ist damit noch zu gering. Die Silage wäre zu diesem Zeitpunkt zu nass und Sickersaft würde erhöht anfallen. Nährstoffverluste und eine verringerte Futteraufnahme können Folgen sein. Tritt beim Auswringen leicht Schaum aus, befindet sich der TS-Gehalt der Restpflanze in der Regel nah am gewünschten Bereich von 22 %. Die Körner sollten nicht mehr eindrückbar, aber noch gelb und ritzbar sein. Lässt sich der Stängel gar nicht mehr auswringen, ist der optimale Erntezeitpunkt bereits verstrichen und die Restpflanze hat über 24 % TS. Das Korn hat die 60 % TS überschritten, wenn ein schwarzer Punkt an der Kornbasis sichtbar ist. Ist der TS-Gehalt zu hoch, verschlechtert der hohe Ligninanteil die Verdaulichkeit der Silage. Außerdem lässt sich das Erntematerial schlecht verdichten. Dies kann wiederum Fehlgärungen, Schimmelbildung und Nacherwärmung in der Silage zur Folge haben.
Alternativ kann der TS-Gehalt auch mit Hilfe einer Heißluftfritteuse ermittelt werden. Hierfür werden zwei repräsentative Maispflanzen zerkleinert und als Frischmasse gewogen. Nach dem Trocknen in der Fritteuse kann die Probe rückgewogen werden, um mit der Differenz zu der ersten Messung den TS-Gehalt zu berechnen.
Die Häcksellänge sollte sich an den TS-Gehalten des Ernteguts orientieren. So kann im begrenzten Rahmen auf nicht optimale Erntezeitpunkte reagiert werden. Liegt der TS-Gehalt unter 30 %, muss grob gehäckselt werden, um das Auslaufen von Sickersaft zu verringern. Häcksellängen von 10 – 12 mm bieten sich an. Befindet sich der Gehalt zwischen 31 – 35 % sind 6 – 10 mm passend. Bei über 36 % TS-Gehalt sollte die Häcksellänge unter 6 mm liegen, um die Verdichtung im Silo zu verbessern. Zusätzlich wird dadurch die Passagerate in der Kuh verbessert. Die Körner sollten ungeachtet der Häcksellänge möglichst stark zerkleinert, um die Verdaulichkeit zu gewährleisten.
Der richtige Zeitpunkt und der angepasste Einsatz der Erntetechnik sind entscheidend, um hohe Qualitäten zu erzielen und möglichst viel aus den Beständen herauszuholen. Die eigenen Flächen sollten daher beobachtet werden, um den optimalen Erntezeitpunkt nicht zu verpassen und die Maschinen richtig einzustellen.
– Auszug aus dem Rundschreiben –
17.08.2026