Grasernte 2026

Frischgrasproben
Die Grasernte 2026 hat vielerorts bereits begonnen. Neben dem Entwicklungsstadium der Hauptbestandsbildner kann eine Frischgrasprobe zu den jeweiligen Schnittnutzungen die Entscheidung
über den richtigen Erntezeitpunkt optimieren. Relevant ist vor allem der Rohfasergehalt. Ein optimaler Rohfasergehalt sollte innerbetrieblich festgelegt werden. Je weniger Rohfaser (~ 23 %) desto verdaulicher und hochwertiger die Silage. Je mehr Rohfaser (alt gewordener Grasbestand) desto weniger Energie und Qualität hat der Schnitt. Beachtet werden muss, dass es im Ernte- und
Konservierungsprozess zu einer Zunahme des Rohfasergehalts kommt (etwa 20 – 40 g Rohfaser/kg TS). Für gute Silagen kann der ideale Rohfasergehalt zum Zeitpunkt der Ernte mit etwa 200 g XF/kg TS angegeben werden. Eine Frischgrasprobe hilft dabei, dieses optimale Erntefenster zu erwischen. Bei der Wahl des Erntezeitpunkts gilt: Klasse statt Masse.

 

Saubere Erntebedingungen
Aschegehalte von > 10 % in der Grassilage wirken sich negativ auf den Konservierungserfolg, den Futterwert und die Schmackhaftigkeit aus. Die in der Erde vorkommenden Clostridien finden unter Sauerstoffabschluss im Silostock gute Lebensbedingungen vor. Schmutz in der Grassilage hat mehrere Ursachen: Starke Regenfälle mit aufspritzenden Bodenpartikeln, Überschwemmungen, Maulwurfs- oder Wühlmaushaufen, zu tiefe Einstellung des Mähwerks und des Schwaders (Zinkengeräte sollen auf der Grasnarbe arbeiten, nicht im Boden), oder die Mahd nasser Grasnarben am Morgen.

 

Welche Häcksellänge passt zum betriebseigenen Fütterungskonzept
Die Häcksellänge hat einen entscheidenden Einfluss auf die Futteraufnahme der Kühe. Mit ausschlaggebend für die Häcksellänge ist der Trockensubstanzgehalt.

Sehr feuchte Silagen (< 28 % TS) nicht zu kurz häckseln, da es ansonsten zu Mischproblemen im Futtermischwagen kommen kann und die Grasballen auf dem Futtertisch liegen bleiben.
Trockene Silagen (> 40 % TS) nicht zu lang häckseln, da es zu einer ungenügenden Verdichtung im Silo und somit zu Fehlgärungen kommt. Gleiches gilt für rohfaserreiche Silagen, auch hier ist eine geringere tatsächliche Häcksellänge (tHL) zu wählen.

Messeranzahl und Zustand der Messer, eingestellte tHL müssen vor der Ernte mit dem Lohnunternehmer abgesprochen werden. Häckseln „mit Standardeinstellungen“ ist bei unterschiedlichen Grasqualitäten und Fütterungskonzepten auf den Betrieben nicht sinnvoll. Die Häcksellänge des Grases muss zur Häcksellänge der Maissilage passen. Ansonsten kann es zu einer
unerwünschten Futterselektion kommen.

Empfehlungen:
Kompakt-TMR: < 10 mm tHL
Fütterungskonzept mit Shredlage: ca. 12 mm tHL
Konventionelle Fütterungssysteme: 20 – 30 mm tHL

 

Einsatz von Siliermitteln
Bei recht trockenen oder nassen Schnitten sowie Schnitten mit geringen Zuckergehalten oder starkem Schadbakterienbesatz (Listerien, Clostridien) kann ein strategischer Einsatz von Siliermitteln sinnvoll sein, um den Futterwert sicherzustellen und hygienische Qualität zu erhalten.

Durch den Einsatz von Siliermitteln kann der Gärverlauf gesteuert (Gärsäuremuster) und die aerobe Stabilität von stark angewelktem Gras verbessert werden. Nacherwärmung und Schimmelbildung sind das Hauptproblem bei trockner und rohfaserreicher Silage. Das Risiko für Fehlgärungen/Buttersäuregärungen steigt bei nassen und schmutzigen Silagen.
Bei der Wahl des Siliermittels ist es ratsam, auf das DLG-Gütezeichen zu achten. Diese geprüften Produkte geben die Sicherheit, dass bei fachgerechter Anwendung die Gärqualität mit hoher
Wahrscheinlichkeit verbessert werden kann.

  • Produkte auf Basis von milch-, essig- oder propionsäurebildenden Bakterien Sinnvoll wenn die pH-Wert Absenkung beschleunigt werden und der Anteil der Buttersäuregärung
    reduziert werden soll. Wirksam in zuckerreichen, sauberen Pflanzenbeständen bei passenden Rohfasergehalten (max. 26 %) und Trockensubstanzgehalten von max. 40 %.
  • Organische Säuren und chemische Konservierungsmittel Sinnvoll wenn Siliergut zu trocken oder nass geworden ist, wenn Rohfasergehalte zu hoch sind oder die Silage sehr schmutzig ist     → Wenn das Siliergut nicht dem „Ideal“ entspricht.

 

Zu Mittelwahl und -anwendung fragen Sie Ihren Berater vor Ort.

 

12.05.2026

Landberatung Grafschaft Hoya