Hitzestress bei Milchkühen

In den Ställen beobachten wir oftmals schon Anzeichen von Hitzestress, wenn die Tempe- raturen für uns Menschen noch sehr angenehm sind. Die Tiere leiden ohne aktive Lüftung und Kühlung extrem unter Hitze, da die Verdauung des Pansens sehr viel Wärmeenergie freiwerden lässt. Daher weisen wir auch in diesem Jahr darauf hin, dass dem Hitzestress der Tiere entgegengewirkt werden muss, um zumindest deren Auswirkungen abzupuffern. Denn Hitzestress führt zum Rückgang der Futteraufnahme und somit zu einem Absinken der Milchleistung, geringeren Fruchtbarkeiten und schlechteren Zunahmen.

Die Vermeidung von Hitzestress fängt bereits bei den Kleinsten an. Versuchen Sie Kälber-Iglus an schattige Plätze zu stellen. Wasser sollte den Kälbern in dieser Zeit auch schon vor der 3. Lebenswoche zur freien Verfügung angeboten werden. Auch bei den älteren Tieren und den Milchkühen ist viel Wasser in dieser Zeit das wichtigste. Kontrollieren Sie die Sauberkeit und den Wasserdurchfluss (20l /Minute, pro Kuh mindestens 10 cm offene Wasseroberfläche bei Trogtränken bzw. maximal 10 Kühe je Einzeltränke).

Da Hitze die Kälber bereits im Mutterleib stresst und so geringere Zunahmen und damit höhere Aufzuchtkosten verursacht, sollte auch bei den Trockenstehern auf Hitze geachtet werden. Die Abgabe der Wärme erfolgt im Stehen, da im Liegen Hitze gespeichert wird. So kommt es zu reduzierten Liegezeiten, was sich negativ auf die Milchproduktion, Klauen- gesundheit und Abkalbeverlauf auswirkt.

Die ersten Maßnahmen sind Tore und Fenster/Curtins ganz aufzumachen, Ventilatoren einzuschalten (über die Installation und Platzierung von Ventilatoren oder Schlachtbelüftung nachdenken) und evtl. Kuhduschen z.B. am Trog oder im Wartebereich zu installieren

(Liegeboxen müssen trocken bleiben!). Bitte prüfen Sie, ob Ventilatoren und Windschutznetze gereinigt  werden müssen (Staub verringert die Luftgeschwindigkeit) und ob die Einstellung sowie Dimensionierung passt, da der Luftstrom liegende Tiere erst einige Meter hinter dem Ventilator erreicht. Die Aufenthaltsdauer im Vorwartehof, wo sich Wärme staut, sollte so gering wie möglich gehalten werden.

Da Fliegen nicht nur Tier und Mensch nerven, sondern auch Krankheiten übertragen, sollte frühzeitig mit Fliegenbekämpfungsmaßnahmen begonnen werden (regelmäßiges Ausmisten, Klebestreifen, Larvizide, Fraßgifte).

Futterration

Um die Futteraufnahme hochzuhalten, sollte nachts ausreichend Futtervorlage vorhanden sein und über den Tag häufig rangeschoben werden. Bei hohen Temperaturen werden gerade instabile Silagen warm, wodurch die Futteraufnahme weiter sinkt. Daher ist gerade im Sommer auf ausreichenden Vorschub (mind. 2,50 m/Woche) und das Einsammeln von Res- ten am Anschnitt zu achten. Vor jeder Fütterung ist der Futtertisch zu reinigen evtl. müssen alte, raue Futtertische saniert und beschichtet werden, der Einsatz von Säuren in der Futterration kann hilfreich sein.

Da die Futteraufnahme ab gewissen Temperaturen sinkt, sollte der Strukturgehalt der Ration regelmäßig geprüft werden (vergangenes Jahr meist hohe Strukturwerte in der Grassilage). Der Energiegehalt sollte nicht reduziert werden. Bei einer zu hohen Konzentration an schnell verfügbarer Energie (Verfügbarkeit der Stärke aus dem Maissilo erhöht sich im Verlaufe des Jahres) und wenig Rohfaser entstehen Pansenazidosen. Prüfen Sie hier ob der Grasanteil erhöht werden muss oder Heu/ Stroh eingesetzt werden sollte. Alternativ kann können Puffersubtanzen oder schnell verfügbare Komponenten durch langsamere ersetzt werden (– z. B. Getreide reduzieren und Körnermais, unmelassierte Trockenschnitzel einsetzten). Der Mineralfuttereinsatz sollte um ca. 30 g je Tier und Tag (mind. 150g/Kuh/Tag) und das Viehsalz auf 20 – 30 g pro Tier und Tag erhöht werden. Unabdingbar bleibt die regelmäßige Kontrolle der Leistungs- und Gesundheitsparamenter.

– Sinkender/niedriger Milchfettgehalt                       – Engeres Verhältnis Fett/Eiweiß

– Rückgang Futteraufnahme                                    – Leistungsrückgang

– Urin trinken                                                            – Wände lecken

Lagerung von Formaldehyd und anderen Mitteln im Sommer

Neben der Kälteempfindlichkeit von Formaldehyd gibt es auch einen Wärmefehler, d.h. bei über 25° C verdampft die Wirkung. Wenn Sie im Sommer Klauenbad ansetzen, dann ist eine Wassertemperatur von 10-20°C optimal. Steht das Klauenbad länger als 2 Stunden oder laufen mehr als 60-70 Kühe durch, so muss es erneuert werden, damit es NICHT zum Infektionsbad wird.

Denken Sie auch an Ihre anderen Kanister auf dem Hof. Dippmittel, Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel müssen ebenfalls unter bestimmten Temperaturbedingungen gelagert werden. Im Groben können Sie sich dazu am Formaldehyd orientieren (10-25°C).

Autor: LUB Zeven e. V.

04.07.2022

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