Kalkung und Bodenanalysen

Calcium ist in Form von Kalk einer der günstigsten Dünger, die uns zur Verfügung stehen. Diese Möglichkeit sollte konsequent genutzt werden, denn Kalk wirkt nicht nur über den pH-Wert. Calcium stabilisiert die Bodenstruktur, fördert die biologische Aktivität und beeinflusst die Verfügbarkeit vieler anderer Nährstoffe. Wer Stickstoff, Phosphor, Kali, Schwefel und Spurenelemente gezielt düngt, aber den pH-Wert und die Calciumversorgung vernachlässigt, verschenkt einen Teil der Nährstoffwirkung und letztendlich auch Ertrag. Außerdem verschlechtert ein zu niedriger pH-Wert zusätzlich die Bodenstruktur, reduziert die Aktivität der Mikroorganismen und schränkt die Nährstoffverfügbarkeit ein. Phosphor wird stärker an Eisen und Aluminium gebunden. Molybdän wird schlechter verfügbar, wodurch die Nitratreduktion in der Pflanze und die N-Fixierung der Leguminosen leiden können. Auch Aluminium- und Manganschäden treten auf sauren Böden leichter auf. Besonders Wintergerste und Raps reagieren empfindlich auf zu niedrige pH-Werte.

Mit der beginnenden Gerstenernte im Juli öffnet sich jetzt das erste Zeitfenster für die Kalkung. Auswertungen der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft zeigen, dass 42 % der Ackerböden in Deutschland unterhalb des pH-Optimums lagen. Nur 35 % der Böden befanden sich im optimalen pH-Bereich.

Bodenanalyse, Kationenaustauschkapazität und Calciumversorgung
Die klassische Grundbodenuntersuchung mit pH-Wert, Phosphor, Kalium und Magnesium bleibt die Grundlage für
die Kalkplanung. Der Ziel-pH hängt dabei von Bodenart, Tongehalt und Humusgehalt ab. Je schwerer und tonreicher der Boden ist, desto höher sollte der Ziel-pH liegen, weil mehr Austauschplätze im Boden vorhanden sind und die Strukturstabilität stärker von einer ausreichenden Calciumbelegung abhängt. Je humoser ein Boden ist, desto niedriger kann der Ziel-pH angesetzt werden.

Auf Problemstandorten reicht der pH-Wert allein aber häufig nicht aus. Schläge, die trotz scheinbar passendem pH-
Wert verschlämmen, schnell dichtfallen, schlecht abtrocknen, schwache Wurzeln zeigen, hohe Magnesium Gehalte oder ein auffälliges Magnesium/Kalium-Verhältnis haben, sollten genauer untersucht werden. Entscheidend ist dann die Kationenaustauschkapazität (KAK) und deren Belegung mit Calcium, Magnesium, Kalium und Natrium.

Calcium verbindet Ton- und Humusteilchen über sogenannte Calciumbrücken. Dadurch entstehen stabile Bodenaggregate. Der Boden verschlämmt weniger, trocknet gleichmäßiger ab, lässt sich besser bearbeiten und kann Wasser sowie Luft besser führen. Magnesium kann ebenfalls Bodenpartikel verbinden, diese Bindung ist aber weniger stabil. Zu hohe Magnesiumanteile im Verhältnis zu Calcium und Kalium können deshalb zu schmierigen, dichten, schlecht krümelnden Böden und verfälschten pH-Werten beitragen.

Für eine günstige Belegung der KAK gelten als Orientierung etwa 75–80 % Calcium, 10–15 % Magnesium und möglichst unter 7 % Kalium, Natrium und Ammonium zusammen. Diese Werte sollten nicht schematisch bewertet werden, helfen aber sehr gut dabei, Strukturprobleme und Nährstoffblockaden besser einzuordnen. Auf solchen Standorten sollten zusätzlich auch Mikronährstoffe wie Bor, Mangan, Zink, Kupfer, Eisen und Molybdän mit untersucht werden, da pH-Wert und Kationenbelegung die Verfügbarkeit dieser Nährstoffe stark beeinflussen.

Eine passende Möglichkeit für diese erweiterte Betrachtung ist zum Beispiel der Düngekompass von Eurofins. Damit können neben den Standardwerten auch Parameter wie organische Substanz, Gesamtstickstoff, C/N-Verhältnis, Tonanteil, Körnung, Kationenaustauschkapazität, Makro- und Mikronährstoffe sowie weitere bodenchemische Kennwerte erfasst werden. Wer eine solche Untersuchung auf Problemflächen ziehen lassen möchte, kann uns bei der Landberatung gerne ansprechen. Wir unterstützen beim Ziehen der Proben, bei der Auswahl der passenden Analyse und bei der fachlichen Auswertung.

Zeitpunkt der Kalkung
Der beste Termin für die Hauptkalkung ist die Stoppel nach der Getreideernte. Mit Beginn der Gerstenernte bietet
sich jetzt die erste Möglichkeit, Kalk sauber zu streuen und mit der anschließenden Bodenbearbeitung in die Krume
einzuarbeiten. Besonders vor kalkanspruchsvollen Kulturen wie Raps, Zuckerrüben, Leguminosen, Kleegras oder
Mais sollte die Kalkversorgung rechtzeitig abgesichert werden. Vor Kartoffeln muss die Kalkung mit Blick auf Schorf
vorsichtiger bewertet werden; bei ausreichendem pH-Wert und Schorfgefahr kann vor der Saat gezielt auf Gips
gesetzt werden, um die Calciumernährung abzusichern, ohne den pH-Wert anzuheben. Auf stark sauren Standorten
sollte die Kalkung trotzdem nicht aufgeschoben, sondern fruchtfolgebewusst geplant werden.

Auszug aus dem Rundschreiben

Autor: Landberatung e. V. Fallingbostel

24.07.2026