Da der Einsatz von Herbiziden längst nicht mehr für die Bekämpfung des Ackerfuchsschwanz (AFU) ausreicht, kommt den pflanzenbaulichen Maßnahmen eine weiter steigende Bedeutung zu. Das Ausmaß des Besatzes ist im noch stehenden Getreide sichtbar. Doch auch, wenn nur ein geringer Besatz vorhanden ist, sind Maßnahmen in der Phase nach der Ernte zu ergreifen, um eine wirksame Reduzierung herbeizuführen. Dies erfordert jedoch keinen übertriebenen Aktionismus. Vielmehr ist die besondere Biologie des AFU zu beachten, wozu die sehr flexible, 2-8 Wochen dauernde primäre Keimruhe gehört, bevor die Samen unter Lichteinfluss austreiben. Deshalb sollte dafür gesorgt werden, dass den vorhandenen Samen möglichst die benötigte Zeit zum Keimen unter Lichteinfluss gegeben wird.
Am besten wird dies mit einer frühen, flachen Bearbeitung mittels Strohstriegel erreicht. Tiefere und/oder stärker mischende Eingriffe mit Scheibenegge oder Grubber würden dafür sorgen, dass damit vergrabene Samen in die sekundäre Keimruhe (ohne Lichteinfluss) verfallen und lange im Boden Keimfähig bleiben, also nicht vernichtet werden.
Dasselbe Prinzip gilt auch für die weitere Stoppelbearbeitung, wobei das Ziel der Keimung der Samen an der Oberfläche weiterverfolgt wird, um dann erst die Saat der Folgefrucht vorzubereiten. Deshalb sind späte Saattermine vorgegeben, wobei auch der Anbau einer Sommerung sinnvoll sein kann, um den Zeitraum für die Keimung zu verlängern. Möglicherweise kommt dies auch infrage, wenn sich die Bestellungsbedingungen im Spätherbst verschlechtert haben. Neben der Stoppelbearbeitung sollten auch die folgenden pflanzenbaulichen Ansatzpunkte berücksichtigt
werden:
Getreideernte: Falls das Stroh nicht abgefahren wird, sollte es kurz gehäckselt und gleichmäßig verteilt werden. Mähdrescher sollten vor dem Verlassen des Schlages gut gereinigt werden, um eine Verschleppung auf diesem Wege zu verhindern; evtl. sind stark belastete Standorte zuletzt zu ernten.
Falsches Saatbett: Eine sehr wirksame Maßnahme ist die Anlage einer Scheinsaat. Dazu wird 3 bis 4 Wochen vor der geplanten Aussaat ein einheitliches und feinkrümeliges Saatbett hergestellt. Ziel ist es, möglichst viele Ungrassamen zum Auflauf zu bringen, um diese dann vor der eigentlichen Aussaat mit Glyphosat oder oberflächlich mechanisch zu bekämpfen. Die Aussaat der Folgefrucht sollte dann ohne unnötige Bodenbewegung erfolgen.
Sortenwahl: Lückenlose Bestände mit konkurrenzstarken Sorten können helfen, einen Unkrautbesatz zu unterdrücken. Evtl. ist hier insbesondere unter ungünstigen Bedingungen der Anbau von
Hybriden in Erwägung zu ziehen.
Fruchtfolge: Im Herbst kann auch noch über die Fruchtfolge entschieden werden. In den Weizenfruchtfolgen bietet sich der Einbau oder die Ausweitung des Rapsanbaues an. Dieser ermöglicht
den Einsatz von wirkungsvollen und resistenzfreien Wirkstoffen (Metazachlor, Propyzamid). Sommerungen haben den Vorzug, dass nach der Bodenbearbeitung zu ihrer Aussaat nur noch sehr
wenige Ungrassamen auflaufen und damit die Ackerfuchsschwanzpopulation in der Fruchtfolge senken können. Hier bieten sich neben Hafer und Gerste auch Mais und Ackerbohne, welche auch einen Wirkstoffwechsel ermöglichen, an.
Als sehr wirksame Variante oder auch letzte Konsequenz gilt der Anbau von Grassamenvermehrung oder 5-jähriger Feldfutterbau, um die Probleme danach wieder für einige Jahre auf ein erträgliches Maß zu senken.
Jeder betroffene Betriebsleiter ist gehalten, seine eigenen Erfahrungen und seine betrieblichen Möglichkeiten zur Abwehr der Probleme abzuwägen oder evtl. sogar Umstellungen vorzunehmen. Von der Pflanzenschutzindustrie bzw. der Zulassungsbehörde ist wenig Hilfe zu erwarten.
09.07.2026