Sommerproblematik
In einigen Ställen ist aktuell zu beobachten, dass sich die Tiere vermehrt in einer Ecke des Stalls aufhalten, meistens an den Türen nach außen. Diese Beobachtung wird uns mittlerweile aus einer wachsenden Zahl von Betrieben gemeldet – trotz guter Lüftung und moderner Stallkonzepte. Eine eindeutige Ursache konnte bisher nicht festgestellt werden. Es wird vermutet, dass das Verhalten mit Fliegen- bzw. Gnitzenbelastungen in Verbindung steht. Wir empfehlen daher dringend, auf eine regelmäßige und effektive Bekämpfung der Insekten zu achten und die Stallbelüftungen danach auszurichten. Die Suche nach den genauen Gründen wird weiterhin intensiv verfolgt.
Blauzunge und weitere Virusinfektionen
Die Blauzungenkrankheit hatte im vergangenen Jahr bis heute leichte bis teilweise starke Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Milchleistung. Durch konsequente Impfmaßnahmen ist die Situation insgesamt auf einem guten Stand. Dennoch gibt es aktuell wieder Verdachtsmeldungen, weshalb die Herden engmaschig überwacht werden sollten. Es ist darauf zu achten, dass die Jungtiere in das Impfschema mit aufgenommen werden. Auch andere Virusinfektionen wie die Hautknotenkrankheit (LSD, EHD) oder die Vogelgrippe, die ebenfalls auf Rinder übertragbar ist, werden in Niedersachsen immer wieder genannt. Unabhängig vom Erreger gilt: Die hohen Milchleistungen, die im Landkreis
erzielt werden, führen dazu, dass die Tiere empfindlicher auf zusätzliche Belastungen reagieren.
Bakterielle Infektionen
Nach den heißen Tagen Anfang Juli kam es wieder vermehrt zu Infektionen der Euter, insbesondere durch E. coli, Staphylococcus aureus und Streptococcus uberis. Als Hauptursache ist häufig die Liegebox zu nennen, daneben auch stark frequentierte und verschmutzte Bereiche, in denen sich Kot und Urin ansammeln. Gerade im Sommer ist auf eine gründliche Reinigung dieser Stellen zu achten, um das Infektionsrisiko deutlich zu verringern. An erster Stelle steht die Pflege der Liegeboxen: Eine sehr gute Hygiene, einwandfreie Einstreu mit einem hohen pH-Wert sowie eine gute Belüftung im Liegeboxenbereich sind entscheidend, um Erkrankungen vorzubeugen.
Fazit
Über allem steht die Reduktion von Stress für das Tier. Bei Milchleistungen oberhalb von 40 Litern pro Kuh und Tag ist die Belastung ohnehin hoch – jede zusätzliche Beeinträchtigung wirkt sich unmittelbar auf Gesundheit und Leistung aus. Daher sind Luftbewegung mit Abtransport belasteter Luft, aktive Kühlung und intensive Hygiene das A und O. Ebenso zählt die gezielte Bekämpfung von Fliegen dazu. In kritischen Bereichen sollte insbesondere im Sommer regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
Ein konsequentes Management dieser Faktoren ist die Grundlage, um die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Herden langfristig zu sichern – und damit auch die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion.
20.08.2025