In diesem Jahr wird in unterschiedlichen Sorten ein höherer Mutterkornbefall festgestellt. Stark betroffen sind meist später oder verzettelt reifende und/oder ausgedünnte Bestände. Auch Sommerweizen ist teilweise massiv befallen.
In Jahren mit feucht-kalter Witterung zur Blütezeit kommt es zu einer Behinderung des Pollenflugs mit der Folge unbefruchteter Blüten. Anstelle von Körnern in den Ährenanlagen des Getreides können sich Mutterkörner (Sklerotien) bilden. Die Infektion erfolgt durch Ascosporen des bodenbürtigen Pilzes über Wind. Überwiegend empfänglich sind Roggen und Triticale, aber auch Weizen kann, wie in diesem Jahr, betroffen sein. Da das Ausgangspotential auf jedem Schlag vorhanden ist, handelt es sich um ein typischen Jahreseffekt. Nicht nur im Erntegut ist Mutterkorn vorhanden. Auf den befallenen Flächen sind auch genug Mutterkörner beim Drusch abgesiebt und auf dem Feld geblieben. In diesen Fällen sollte auf keinen Fall Roggen oder Tritricale nachgebaut werden.
Der Mutterkornausfall sollte tief eingepflügt werden. Nachgebaut werden können als Getreide Gerste oder Weizen. Durch entsprechende Sortenwahl, Saatstärke und gleichmäßige Saattiefe (2-3 cm!) sowie im Frühjahr nicht überzogene Düngung ist für eine frühe, einheitliche und kurze Blühdauer zu sorgen. Die Grasbekämpfung im Getreide optimieren. Ziel sind maximale Wirkungsgrade ohne Schädigung der Kultur.
Befallenes Nachbausaatgut sollte möglichst nicht verwendet werden. Reinigung ist nur mit Fotozellenauslesern/Farbsortierern möglich.
Die Feldränder sollten dann im Frühjahr vor der Getreideblüte gemulcht werden.
In der Vermarktung zählt Mutterkorn zu den unerwünschten Stoffen, ein Verschneiden belasteter Partien mit einwandfreier Ware ist daher nicht zulässig.
WIEVIEL MUTTERKORN TOLERIERT DER GETREIDEHANDEL?
Im Erntegut sollten nicht mehr als 0,02 Gewichts-% an Mutterkorn vorhanden sein, da sonst Preisabschläge oder die Ablehnung der Partie durch den Käufer der Ware zu befürchten sind. Ist das Getreide nicht für Lebensmittelzwecke, sondern als Futtermittel vorgesehen, so werden meist 0,1 Gewichts-% zugelassen. Hinsichtlich der Empfindlichkeit gegenüber den Alkaloiden sind Sauen besonders gefährdet gefolgt von Mastschweinen, Rindern und Mastgeflügel.
WIEVIEL MUTTERKORN IST IN MEINER ERNTEPARTIE?
Um vorab einzuschätzen, wie viel Mutterkorn in der eigenen Ernte ist, ist es als erstes notwendig eine repräsentative Mischprobe aus der Erntepartie zu entnehmen. Ein Mutterkorn in der Größe eine Roggenkorns wiegt in etwa so viel wie ein Roggenkorn, ca. 0,035 g. Ein einziges solches, relativ kleines, Mutterkorn in einer Getreidemenge von 250 ml bzw. 175 g entspricht in etwa einer Menge von 0,02 Gewichts-%.
13.08.2026