Nehmen Sie sich die Zeit und schauen sich nach dem Rapsdrusch die Rapsstoppel an, nehmen eine Stoppelbonitur vor, um eine Einschätzung über den Erfolg oder die schlechte Wirkung einer durchgeführten Maßnahmen zu erlangen. Ziehen Sie auch einige Pflanzen aus dem Boden, um die Wurzelvitalität zu beurteilen. An den Rapsstängeln können Sie erkennen, ob es Schäden durch Rapsschädlinge (kl. Kohlfliege, Erdfloh, Stängelrüssler) oder Krankheiten (Sclerotinia, Phoma, Verticillium) gegeben hat. Im Internet finden Sie (neben vielen anderen Hinweisen) u.a. unter STOPPELBONITUR IM RAPS (Bayer-Agrar Deutschland) einen Überblick über die bedeutendsten Schädlinge und Krankheiten im Raps, die bei einer Bonitur der Stoppel ermittelt werden können. Eine Bonitur umfasst dabei alle Beobachtungen am Phänotyp einer Pflanze, wie beispielweise die Färbung des Stängelmarks. Die Stoppelbonitur kann nützliche Hinweise geben – um für die nächste Rapssaison bessere Entscheidungen treffen zu können.
Rapsstoppelbearbeitung
Rapsstoppeln, Ausfallraps oder später in der Rapsfruchtfolge auflaufender Durchwuchsraps können als Infektionsmaterial zur Überdauerung und zur Verbreitung von Krankheiten und Schädlingen beitragen. Um phytosanitären Problemen entgegenzuwirken, ist eine kurzfristig nach der Rapsernte durchgeführte Zerkleinerung der Rapsstoppel als wichtiges Ziel anzustreben, damit Krankheiten (Verticillium, Phoma) nicht noch stärker Dauersporen bilden. Wer hier in der Vergangenheit nachlässig gehandelt hat, erlebt jetzt weiter die Auswirkungen. Nach dem Drusch muss auch zügig eine hohe Auflaufrate, der auf dem Feld verbliebenen Rapssamen erreicht werden. Als Lichtkeimer besitzt der Raps nicht sehr viel Kraft, um bis zur Oberfläche durchzustoßen. Alle tiefer liegenden Samen können eine Keimruhe (Dormanz) ausbilden und dort mehrere Jahre überdauern, bevor sie wieder durch Reize von Feuchte/ Temperaturwechsel oder einer Bearbeitung später auskeimen. Das führt dann zu unerwünschten Auflaufpflanzen im Bestand beim nächsten Rapsanbau. Da sind negative Ertragswirkungen in Versuchen festgestellt worden.
Unsere Empfehlungen, um hohe Auflaufraten des Rapses zu erreichen, haben sich nicht verändert.
Generell ist auch darauf zu achten, dass der Auflaufraps spätestens bis zur Bildung des 3. Blattes beseitigt sein muss, sonst führt das sehr stark zur Förderung neuer Kohlhernieinfektionen.
Die alphabetische Reihenfolge stellt unsere Empfehlung dar:
A ) Tiefes Mulchen (Abschlegeln mit Mulchgerät) der Rapsstoppel sogleich nach der Rapsernte, dann wird eine sehr hohe Auflaufquote des Ausfallrapses erreicht. Dies funktioniert aber nur dann gut, wenn die Spreu noch recht locker liegt und nicht durch mehr Regen fester am Boden „klebt“ oder wenige Tage später die keimenden Rapswurzeln schon das Kaff „festhalten“. Das Mulchen ersetzt auch eine erste sehr flache Bodenbearbeitung. Gleichzeitig werden durch die Rapsstängelzerkleinerung Infektionsquellen für Verticillium und Phoma stark reduziert (das ist außerordentlich wichtig). Diese Arbeit kann kein Strohstriegel leisten! Messerwalzen, wie man sie auch teils im Einsatz sieht, erreichen nicht eine so gute Zerkleinerung und Korn-/ Strohtrennung. Für das Mulchen fallen Kosten an, die mindestens so hoch sind wie bei einer Bodenbearbeitung, aber fester Bestandteil des Anbausystems sein sollten (ca. 55 €/ha).
Wir empfehlen Ihnen diese Variante ! Diese Arbeitsleistung können Sie auch vergeben/buchen.
B ) Die Messerwalze in der Fronthydraulik und ein sehr flach geführter Striegel im Heck wäre noch ein guter Kompromiss. Ein guter Zerkleinerungsgrad der Rapsstoppel ist aber allein mit dem Striegel kaum gegeben (der Effekt auf die Eindämmung der Phoma- und Verticilliumvermehrung ist so viel geringer), die Rapskörner werden aber nicht so tief wie mit Kurzsscheibe/ flachem Grubberstrich eingearbeitet. Danach wartet man bis max. 2. Laubblatt des Auflaufrapses und lässt dann eine weitere, sehr flache Bodenbearbeitung (max. 5 cm) folgen. Ist die Witterung trockener, kann z.B. mit der flach eingestellten Kurzscheibenegge gearbeitet werden. Für die sehr flache Bearbeitung sind enge Scheibenabstände oder kleinere Durchmesser günstig. Versuche mit Kettenscheibeneggen laufen, das Arbeitsgerät ist bei uns aber kaum vorhanden. Der teils auch durchgeführte Einsatz einer Schleppe bringt deutlich geringere Feldhygiene-Effekte.
C ) Regnet es wirksam kurz nach der Rapsernte und das Rapsstroh/ Spreu klebt schon am Boden, ist es ratsam, zunächst ca. 10 Tage zu warten, bis ein großer Teil des Rapses keimt und das erste Laubblatt bildet.
Dann erfolgt der Arbeitsgang z.B. mit einer Kurzscheibenegge oder auch kreuzdiagonal mit scharfem Striegelstrich oder einem anderen Bodenbearbeitungsgerät, das max. eine Bodenbearbeitungstiefe von 3-5 cm erreicht. Die Effekte auf die Strohzerkleinerung und Eindämmung von Phoma und Verticillium sind dann aber sehr viel geringer. In Hanglagen bleibt dafür mehr Stroh als Erosionsschutz übrig.
Ist der Ausfallraps aufgelaufen, müssen die Pflanzen im nächsten Schritt durch eine sehr flache Bodenbearbeitung beseitigt werden. Die geringe Bearbeitungsintensität stellt sicher, dass Rapskörner, die noch nicht gekeimt haben, nicht vergraben werden und im zweiten Schritt zur Keimung angeregt werden. Je nach Bedarf kann vor der Saatbettbereitung auch noch ein weiterer Arbeitsgang durchgeführt werden, bei dem dann auch eine Erhöhung der Arbeitstiefe möglich ist.
Aufgrund der hohen Bodentemperaturen während der Nachauflaufphase sind die Ausfallrapspflanzen dem erhöhten Risiko einer Kohlhernieinfektion ausgesetzt. Mit der konsequenten Beseitigung der jungen Pflanzen kann der Vermehrung des Schaderregers im Boden jedoch entgegengewirkt werden. Hierbei sollte die Bekämpfungsmaßnahme spätestens mit dem Erreichen des Zweiblattstadiums (BBCH 12) abgeschlossen sein. Aber auch für andere Krankheiten wie Phoma oder Verticillium stellen Ausfallrapspflanzen eine „grüne Brücke“ dar, die es zu unterbrechen gilt.
Autor: Landberatung Northeim e. V.
07.08.2025