Die ersten Grassilageproben zeigen sehr gute Qualitäten mit hohen Energie- und Proteinwerten.
Allerdings zeigen die früh geschnittenen Silagen, oft nur geringe Strukturwerte auf. Hierauf muss durch einen Strukturausgleich in der Ration entsprechend reagiert werden.
Silagen mit mehr als 20 % Rohprotein können mit Nitrat belastet sein! Spät gedüngte Kulturen oder solche, die physisch geschädigt wurden oder Dürrebedingungen ausgesetzt waren (1. Schnitt!), können hohe Nitratgehalte aufweisen.
Nitrat ist eine Übergangsform von Stickstoff zu Eiweiß. Nitrat wird in der Kuh in Nitrit umgewandelt. Nitrit bindet sich genau an die Stellen der rote Blutkörperchen, an denen normalerweise Sauerstoff gebunden wird. Wenn Silage mit hohen Nitratgehalten (> 20 g/kg TS) an Tiere verfüttert wird, können folgende Symptome auftreten:
• Verminderter Appetit
• Gewichtsverlust
• Diarrhö
• Tränende Augen
Akute Toxizität bei Tieren kann Atemnot (bis hin zum Ersticken), Muskelzittern, einen Kollaps bis hin zum Verenden zur Folge haben. Die Toxizität hängt mit der Gesamtmenge des aufgenommenen Grundfutters und mit der Schnelligkeit der Aufnahme zusammen. Die Fütterung von nitratreichem Gras muss von daher in mehrere kleinere Portionen über den gesamten Tag verteilt werden. Nitrat ist eine Stickstoffform, die die Kuh nicht verwenden kann und somit verloren geht.
Um die Gefahr einer Nitratbelastung im Grundfutter beurteilen zu können, sollten Grassilagen mit Rohproteingehalten von mehr als 20 % von der LUFA auf Nitrat nachuntersucht werden. Dazu melden Sie sich bei der LUFA mit der entsprechenden Analysenummer Ihrer Grassilage. Aus der Rückstellprobe kann der Nitratwert nachträglich analysiert werden. Eine erneute Probenahme ist nicht erforderlich!
Hinweis: Nitrosegas in der Grassilage
Bei der Konservierung im Silostock kann Nitrat bei bestimmten Bedingungen in der Silage direkt zu Ammoniak umgebaut werden. Zunächst bauen Enterobakterien Nitrat zu Nitrit um. Wenn dann im Anschluss langsam der pH-Wert sinkt, wird Nitrit zu Ammoniak umgewandelt. Das Ammoniak, welches aus diesem Prozess stammt, ist nicht das Ergebnis von Fäulnisprozessen. Die Grassilage weist dann entsprechend auch nicht den typisch stechenden Ammoniakgeruch auf. Außerdem hemmt bzw. puffert das Ammoniak durch Neutralisierung der Säuren den Konservierungserfolg.
Nur Vorsicht, das gebildete bräunlich sichtbare Nitrosegas ist höchst Giftig für Mensch und Tier. Ein Kontakt zu diesem Gas ist tunlichst zu vermeiden. Über die Lagerdauer fließt das Gas nach unten aus dem Silagestock von selber ab. Es ist schwerer als Luft.
Autor: Spezialberatungsring für Rinderhaltung und Futterbau e. V.
22.07.2025