Der tagelange Stromausfall in Berlin zeigt wieder einmal sehr deutlich unsere Abhängigkeit von einer funktionierenden Stromversorgung. Auch der tagelange Stromausfall 2005 in Westfalen durch umgeknickte und vereiste Hochspannungsmasten dürfte vielen noch in Erinnerung sein. Hier waren im ländlichen Gebiet auch viele landwirtschaftliche Betriebe betroffen.

In der Tierhaltung wird durch eine zunehmende Technisierung und Automatisierung die Abhängigkeit von der Stromversorgung immer größer. Ein Milchviehbetrieb mit Robotern oder ein Schweinestall mit einer automatischen Lüftung und Fütterung kann nicht auf die Feuerwehr mit einem Notstromaggregat warten. Die Tierschutzhaltung-Nutztierverordnung und auch Tierschutzleitlinien und Qualitätsprogramme schreiben ein Notstromaggregat vor.

Auf dem Markt werden unterschiedliche Notstromsysteme angeboten:

Bei der Auswahl eines geeigneten Gerätes sollte zusammen mit dem Hofelektriker besprochen werden, welche Geräte in jedem Fall mit Notstrom versorgt werden müssen. Es wird die addierte Leistung dieser Geräte mit einem Sicherheitszuschlag von 25-30 % (Anlaufstrom) benötigt. Zudem sollte das Aggregat etwas Reserve für zukünftige weitere Geräte haben. Unter Berücksichtigung des Wirkungsgrades berechnet sich dann die Leistung des Generators.

Da die elektrischen Verbraucher heute in der Regel deutlich empfindlicher gegenüber Spannungsschwankungen sind, sollte man sich in jedem Fall für ein Gerät mit elektronischer Spannungsregelung entscheiden.

Bei Anschaffung eines zapfwellenbetriebenen Aggregats muss die Leistung des Schleppers mindestens das 1,5-fache des Leistungsvermögens des Generators aufweisen. Man sollte jedoch vor dem Kauf einen Leistungstest mit Schlepper, Generator und Verbraucher (z.B. großem Heizlüfter) durchführen, da bei modernen Schleppern unter Last die Motordrehzahl abfallen kann. Hier muss dann evtl. die Getriebeübersetzung des Gerätes geändert werden.

Um das Notstromaggregat nutzen zu können, muss ein Elektriker eine Einspeisestelle mit Netztrennschalter installieren. Um beim Stromausfall wichtige von unwichtigen Verbrauchern trennen zu können, kann evtl. hinter dem FI-Schalter eine Umverteilung vorgenommen werden. Auch sollte über die Aufrechterhaltung des Stromes im Haus nachgedacht werden, da viele Anlagen auf dem Betrieb auf eine Steuerung über einen Computer angewiesen sind.

Damit auch Mitarbeiter und Familienangehörige mit dem Ablauf vertraut sind, sollte die Inbetriebnahme des Gerätes genau dokumentiert werden und im Optimalfall monatlich ein Probelauf durchgeführt werden. Wichtig ist auch, genügend Treibstoff für das Notstromaggregat bereitzuhalten.

Wer eine eigene Photovoltaikanlage besitzt, kann über die Kombination mit einem Stromspeicher seine eigene Notstromreserve aufbauen. Im Normalfall wird bei einem Stromausfall auch die Photovoltaikanlage vom Netz getrennt. Durch automatische Steuerungen ist es möglich eine sogenannte „Insellösung“ zu realisieren und autark zu werden. Diese Lösungen müssen aber für jeden landwirtschaftlichen Betrieb individuell geplant werden und können als Kombination von Nutzung des Stromes für den Eigenbedarf und Schaffung eines Notstrombetriebes evtl. für einzelne Betriebe interessant sein.

Viele Betriebe besitzen mittlerweile ein Notstromaggregat, haben es aber noch nie den Ernstfall geprobt.

Sollte ein Blackout auftreten, werden Elektriker wahrscheinlich nicht spontan verfügbar sein. Auch besteht die Gefahr, dass die Notstromaggregate sich „kaputtstehen“, wenn nicht regelmäßig ein Probelauf durchgeführt wird. Warten Sie nicht auf den Ernstfall. Nutzen Sie die arbeitsärmere Zeit, um den Anschluss des Aggregats zusammen mit einem Elektriker vorzunehmen und simulieren Sie auch den Stromausfall.

 

 

26.01.2026

Landberatung Grafschaft Hoya e.V.