Das Ende der Sperrfrist ist erreicht und auch der Start der Vegetation rückt damit wieder etwas näher. Im ersten Schritt stellt sich die Frage nach der richtigen Andüngung der Pflanzenbestände im Frühjahr.
Dabei sollte zum einen die Stickstoffmenge wie auch die Form, in der diese erfolgt, bedacht werden. Beachtet werden müssen auch der Bodenzustand- und die Struktur, sowie die allgemeine
Vorwinterentwicklung der Bestände.
Wie ist die aktuelle Situation im Feld?
Die Niederschläge fielen diesen Winter im Vergleich zu den Vorjahren geringer aus. Seit Novemberbeginn fielen an der Wetterstation Bassum des Deutschen Wetterdienstes nur etwa 120 mm und seit
Dezemberbeginn nur etwa 70 mm. Trotzdem ist vor allem auf den sandigen Böden mit relevanten Nährstoffauswaschungen in tiefere Bodenschichten zu rechnen. Besonders erwähnt werden müssen
Nitrat (NO3-) und Sulfat (SO3-). Je höher der Tonanteil liegt, desto geringer ist die Gefahr der Auswaschung und Verlagerung.
Die diesjährigen Temperaturen sind bisher eher gering und lagen leicht unter dem langjährigen Mittel. Die geringere Temperatursumme hat Auswirkungen auf die Entwicklung unserer Bestände. Die Vernalisation der Raps- und Getreidepflanzen findet im Temperaturbereich von 0 bis + 8 °C statt. Weizen benötigt für die Vernalisation beispielsweise 40 bis 50 Tage in diesem Temperaturbereich, Raps hingegen 20 bis 40 Tage. In den vergangenen recht milden Wintern war die Vernalisation schnell abgeschlossen. Da nun aber einige Zeit negative Tagesdurchschnittstemperaturen herrschten, welche entsprechend unter den Vernalisationstemperaturen lagen, verlängert sich der für die Vernalisation erforderliche Zeitraum. Die Entwicklung der Pflanzen „verzögert“ bzw. befindet sich wieder im normalen Zeitbereich im Vergleich zu der in Vorjahren immer früher werdenden Entwicklung.
Das Wachstum der Pflanzen beginnt bei Tagesdurchschnittstemperaturen über 6 – 7 °C. Wenn temperaturbedingt noch kein Pflanzenwachstum absehbar ist, lassen auch Düngemaßnahmen zum Anschieben
der Bestände noch keinen Effekt erwarten. Die erforderlichen Tagesdurchschnittstemperaturen sollten bei den anstehenden pflanzenbaulichen Maßnahmen beachtet werden.
Wie kann die Andüngung der Getreidebestände aussehen?
Für die Höhe der Andüngung sind maßgeblich die Getreidesorte und deren Eigenschaften bezüglich des Ertragsaufbaus, die verfügbare Stickstoffmenge im Boden und die bisherige Entwicklung des Bestands
entscheidend. Hinsichtlich der Sorteneigenschaften spielt eine Rolle, ob der Ertrag über die starke Ährenentwicklung oder über eine hohe Bestandsdichte erreicht werden soll.
Wenn die Anzahl Pflanzen/m2 den Erwartungen entspricht und der Bestand bereits gut entwickelt ist (vor allem bei früh gesäten Beständen), zielt die Andüngung vor allem auf den Erhalt der bestehenden Triebe ab. Sie kann hier etwas milder ausfallen und es können auch trägere Stickstoffdüngemittel mit einem höheren Ammonium- und Harnstoffanteil zum Einsatz kommen.
Gut entwickelte Getreidebestände können mit einer ammoniumbetonten Gabe von etwa 60 kg/ha gedüngt werden, was in etwa der Erhaltungsdüngung entspricht. Durch Wirtschaftsdünger ausgebrachter Ammoniumstickstoff kann dazugezählt werden.
Ist der Bestand hingegen noch nicht ausreichend entwickelt, so muss er durch die Andüngung stärker angeschoben werden. Speziell wenn die Triebstruktur beispielsweise aufgrund einer späten Aussaat
noch nicht der Zielentwicklung entspricht, muss zwangsweise ein Düngemittel mit höherem Nitratanteil gewählt werden. Nitrat ist wie Kalium im Boden nicht gebunden, sondern kann von Pflanzen direkt aus
der Bodenlösung aufgenommen werden.
Den Raps zeitig und stramm andüngen!
Die Rapsbestände benötigen eine zeitige Stickstoffgabe, damit die unteren Verzweigungen und der Knospenansatz nicht durch einen Mangel abgeschnitten werden. Die Andüngung sollte hier in einer
Größenordnung von mindestens 80 bis 100 kg/ha erfolgen. Bei schwach entwickelten Beständen kann bereits der Großteil der N-Düngung zu Beginn erfolgen. Durch die zu erwartende spätere Stickstofffreisetzung aus dem Boden und der frühen Bedarfsphase der Rapspflanzen sollte damit etwas stärker angedüngt werden.
Anders als im Getreide, wirkt sich im Raps eine nitratbetonte Düngung eher nachteilig aus. Durch das NO3- wird das Blattwachstum verstärkt. Gleichzeitig sinkt die Frosttoleranz der Bestände und die
Konkurrenz zwischen Blättern und Knospen nimmt zu. Von Vorteil sind NH4+-betonte Düngemittel. Sie haben einen positiven Einfluss auf die Ertragsorgane.
Schwefel – nicht knausern!
Klar ist, dass mit der ersten Stickstoffdüngung auch Schwefel ausgebracht werden muss, denn Schwefel hat einige essenzielle Funktionen in der Pflanze. Bei zu wenig oder gar keinem Schwefel kommt es zu
einem Mangel der Eiweißbildung. Der Stickstoff bleibt ungenutzt. Ohne ausreichende Schwefelversorgung keine gute Stickstoffumsetzung oder im Umkehrschluss: Die Stickstoffeffizienz sinkt massiv!
Leider unterliegt das Sulfat im Boden einer natürlichen Dynamik und ist mit sinkenden Bodenqualitäten und zunehmenden Niederschlägen, äquivalent zum Nitrat, genauso auswaschungsgefährdet. Der
kapillare Wiederaufstieg von Sulfat im Frühjahr setzt leider wie auch die S-Mineralisation zu spät ein, sodass zwingend in passender Größe ergänzt werden muss. Wintergetreide sollte mit mindestens 30
kg S/ha und Raps mit mindestens 50 kg S/ha gedüngt werden. Diese Richtwerte sollten wie beschrieben als Mindestmaß gelten.
13.02.2026