Hitzestress bei Milchkühen

Landberatung Rotenburg e. V.

 

Die letzten Wochen und Tage waren schon von sommerlichen Temperaturen geprägt. Steigen die mittleren Temperaturen deutlich über 20°C an, beginnt vor allem für die hochleistenden Kühe der Hitzestress. Hitzestress führt zum Rückgang der Futteraufnahme, einem Absinken der Milchleistung und auch die Fruchtbarkeit der Milchkühe verschlechtert sich. Mögliche Maßnahmen um Hitzestress zu verringern:

Haltung:
-     den Aufenthalt im Vorwartebereich vor dem Melkstand möglichst kurzhalten
-     Maßnahmen zur Fliegenbekämpfung ergreifen
-     regelmäßiges Ausmisten der Strohbereiche (Kälber alle 2 Wochen, Fliegenbelastung reduzieren)
-    ggfs. Wasservernebelung in einem Stallbereich installieren (Liegeboxen müssen trocken bleiben)

Lüftung:
-     Öffnen von Türen, Toren, Fenster und Curtains
-     vorhandene     Ventilatoren     und     Windschutznetze     reinigen     (Staub     verringert     die
Luftgeschwindigkeit erheblich)
-      ggfs. neue Lüftung installieren (Axialventilatoren, Deckenventilatoren oder Schlauchbelüftung)
-     Lüftung mindestens bis 22 Uhr laufen lassen, da sich die Kühe aufheizen

Wasserversorgung:
-     Wasser ist das günstigste Futtermittel, Hochleistungskühe benötigen bis zu 150l Wasser am Tag
-     Tränken täglich mit Bürste reinigen, um Biofilm zu vermeiden (auch im Jungviehbereich)
-     Maximal 15 bis 20 Kühe pro Tränke, ggfs. zusätzliche Tränken anschaffen

-     Futteraufnahme hochhalten, häufiges Futter nachschieben verbessert die Futteraufnahme
-    Nachts  für  ausreichend  Futter  sorgen,  da  im  Sommer  ein  Großteil  des  Futters  nachts aufgenommen wird
-     Erwärmung des Futters verhindern (keine losen Reste im Silo belassen, Einsatz von Säuren an der
Anschnittfläche, Einsatz von sog. TMR Stabilisatoren wie z.B. Kaliumsorbat, Propionsäure etc.)
-    Acidosegefahr   steigt   durch   geringere   Futteraufnahme   im   Sommer:   Auf   ausreichenden Strukturgehalt achten, evtl. Heu zur freien Aufnahme anbieten, Puffersubstanzen einsetzen (z. B. Natriumbicarbonat 150 – 300g Tier/Tag)
-     Erhöhung  der  Mineralfuttergaben  (min.  120%ige Bedarfsdeckung), weil die  Tiere  durch  das
Schwitzen wesentlich mehr Elektrolyte verbrauchen (Zn, Se, …)

Kälber:
-     Schattigen Stellplatz für Kälberiglus wählen, Abstand zwischen den Iglus erhöhen
-     Keine Eigenbau-Iglus aus 1.000l Behältern, da die sich besonders stark aufheizen
-     Frisches Wasser und Raufutter ab dem ersten Lebenstag zur Verfügung stellen
-     Belegdichte in den Gruppenbuchten reduzieren

Die Empfehlungen sind auch genauso für die Trockensteher anzuwenden! Hitzestress bei den Trockenstehern kann zu Aborten und Schwächung der Kälber führen und die Leistung in der Folge-Laktation verringern.

17.06.2021:
Anmerkung der Redaktion: Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Berater vor Ort (siehe Baum oben - "Beratung vor Ort").